Eine Frau in Trauer hält eine weinende Holzmaske vor das Gesicht

Trauern: 2) Wege aus Trauer und Schmerz

Das Schicksal fragt nicht nach unserer Meinung.
Bild: Sich hinter einer Maske zu verstecken, ändert nichts an der Intensität der Gefühle. Trauerarbeit schon. Foto: TELOS

Warum wir Verluste am liebsten gar nicht wahrnehmen. Und was hingegen hilft.

Ein Fallbericht.

Der erschütternde Bericht einer Frau, die mit dem Unfalltod ihres Mannes konfrontiert wurde. Unser Institutsgründer, der Psychologe und Psychotherapeut Dr. Elmar Teutsch bietet Erklärungsmodelle an, warum wir Verluste am liebsten gar nicht wahrnehmen und zeigt Wege aus Trauer und Schmerz.  Johanna, 38, aus Sterzing, Verkäuferin (Alle Namen und Daten geändert, Originalprotokoll stark gekürzt) berichtet:

„Wir waren eine ganz normale Familie, natürlich hat es auch manchmal gekracht, aber wir haben uns immer schnell wieder versöhnt. Der Rudi, mein Mann, war immer nett zu den Kindern, hat gerne mit ihnen gespielt. Er hat gut verdient. Er war als Vertreter natürlich viel unterwegs, ist aber am Abend so gut wie immer zu Hause gewesen. Am Wochenende war sowieso frei. Es ist uns rundherum gut gegangen. Bis zu dem Tag vor 3 Monaten.

Rudi hatte schon angekündigt, dass er später kommen würde, da er in Verona einen Kunden besuchen muss und alle haben geschlafen, ich war auch schon im Bett. Mitten in der Nacht läutete das Telefon. Ich habe mich nicht gleich gerührt, weil normal geht immer der Rudi dran. Aber es hat nicht aufgehört zu klingeln und da habe ich mich aufgesetzt und gesehen, dass er nicht da ist. Und so hab ich das Telefon abgenommen. Es war die Polizei. Sie haben mir gesagt, dass Rudi einen Unfall gehabt hätte und tot wäre. 

Ich war zuerst fix überzeugt, es handelt sich um eine Verwechslung und habe ihnen nicht geglaubt, dass er es ist, weil der Unfall war am Brenner, und der Rudi war ja in Verona. Als sie gesagt haben, es wäre sein Auto, habe ich gesagt, es gibt ja viele solche Autos und als sich das mit dem Nummernschild heraus stellte, war ich überzeugt, dass er es jemandem geliehen hat und das auch das der Grund ist, warum er noch nicht zu Hause ist.

Aber später hat sich dann herausgestellt, dass es doch alles gestimmt hat. Es war wirklich sein Auto. Und er war drinnen gewesen und sofort tot. Und viel später später, ich weiß nicht mehr wann, bin ich dann draufgekommen, warum das passieren konnte. Er war nämlich gar nicht in Verona bei einem Kunden, sondern mit Kollegen in Innsbruck im Puff. Das hat er scheinbar schon öfters gemacht.

Und jetzt sitze ich da mit 2 Kindern und er ist gestorben, weil er bei den Huren war.“

Das Nicht-Wahrhaben-Wollen

Wenn uns ein schlimmes Ereignis schicksalshaft überfällt, stößt es uns mit Wucht an die Grenzen unserer Existenz. Die häufige Reaktion darauf ist Schock und Erstarrung. Verständlich, dass wir das Furchtbare am liebsten nicht wahrhaben wollen. Der Gedanke „Morgen werde ich aufwachen und alles ist wieder wie gewohnt“ hat die Aufgabe, uns in der allerersten Zeit zu narkotisieren, die Realität nicht ganz an uns heran zu lassen: „Es war eine Fehldiagnose, ich habe nicht Krebs, sie haben nur die Proben verwechselt …“ oder „Mein Mann ist nur noch unterwegs, er wird dann schon noch kommen… „ usw.

Die Flashbacks

Auch Tage und Wochen nach dem Ereignis kommt es, im Unterbewussten, im Halbschlaf, zu kurzen Flashbacks an frühere Zeiten „Meine Frau liegt heute aber ganz am Rand des Bettes, wenn ich den Fuß hinüber strecke, erreiche ich sie gar nicht. Oder vielleicht ist sie aufs Klo …“ Auch bei schnellen Reaktionen, wenn zum Beispiel Handlungen fast automatisch ablaufen greift unser Gehirn auf eingeprägtes zurück: „Hoppla, ein Kurzschluss, das muss mein Mann gleich reparieren…“ oder  „Oh, das Telefon läutet, sie wird gleich abheben …“ Aber nein, sie wird nicht abheben, nie mehr und sie liegt auch nicht am Bettrand, sondern ganz woanders. Und er wird nicht mehr von der Arbeit kommen und keinen Kurzschluss am Bügeleisenstecker reparieren, nie mehr.

Der Rettungsversuch im Gehirn.

Unser inneres „Überlebenssystem“ versucht mit solchem Nicht-Wahrhaben-Wollen die Unbarmherzigkeit von Schicksalschlägen etwas abzumildern. So versucht unser Unbewusstes, Wege aus Trauer und Schmerz zu finden. Eine Art interne Beruhigungstablette sozusagen, unser privates Psychopharmakon im Eigenbau des Gehirns. Für eine gewisse Zeit funktioniert das auch und hilft uns über erste besonders schwierige Momente. Allerdings heilt es nicht. Freilich sind ja auch chemische Psychopharmaka hilfreich, wenn zum Beispiel bei einer Depression die Dysbalance unseres Neurotransmitterhaushalts die Wirkstoffe Dopamin, Noradrenalin und Serotonin durcheinanderbringt: zum einen lindern sie die Symptome, zum andern machen sie dadurch eine Psychotherapie oft erst möglich.

Wichtig sind daher die nächsten Schritte.

Denn erst durch bewusstes Wahrnehmen kann bewusste Bearbeitung stattfinden. Wegsperren, so tun als ob nichts wäre, Zähne zusammen beißen und ja nichts zeigen, sich den Terminkalender mit Arbeit anhäufen – das alles mag am Anfang sinnvoll sein, bringt langristig aber keine Erleichterung. Trauer und Schmerz ignorieren, heißt das Leiden erst recht konservieren. Trauerarbeit hingegen bringt uns zurück ins Leben.   Als sehr hilfreich gezeigt hat sich bei vielen Seminarteilnehmern unsere Übung „Los lassen“.

Die Notwendigkeit begreifen.

Beantworten Sie diese drei Fragen:

  1. Wie oft in meinem Leben wurde ich durch Umstände, Ereignisse oder Schicksalseingriffe gezwungen, Gewohntes, Bestehendes nicht mehr festzuhalten, sondern los zu lassen? Wie oft musste ich Abschied nehmen und neu beginnen?
  2. In welchen Bereichen meines Lebens wurden durch das erzwungene Loslassen neue Bereich frei? Wo entstand für mich Neues dadurch? Was und wie war dieses Neue?
  3. Welches Loslassen in meinem Leben kann ich heute rückblickend als notwendig und / oder hilfreich für meine Entwicklung erkennen?
Wege aus Trauer und Schmerz: erst Loslassen schafft Platz für Neues!

Wenn Sie sich ernsthaft mit diesen Fragen auseinander setzen und vor allem wenn die negativen Ereignisse schon einige Zeit zurück lieben, so dass sie nicht mehr all zu schwer im Magen liegen, dann werden Sie bemerken, dass erst durch das Loslassen des Vergangenen wieder Neues möglich wird. Und das ist richtig so. Der Hergott wird sich schon dabei was gedacht haben, dass er uns den Kopf nach so auf den Hals gesetzt hat, dass wir nicht nach hinten schauen, sondern nach vorne!

Die Hilfe für zu Hause:

Holen Sie hier aus unserer Reihe „Homelearning >>“ die Broschüre „Abschied, Tod und Trauer als Elemente des Lebens“ und entdecken Sie in mehreren Übungen, wie Sie mit Trauer besser umgehen können. Ab sofort für kurze Zeit zum kostenlosen Download:

Foto: TELOSGratis-Broschüre „Abschied, Tod und Trauer als Elemente des Lebens“:
Fotos, Texte und Arbeitsblätter, 19Seiten, pdf-Datei, 3,8 MB >>

Aufarbeiten statt verdrängen!

Wollen Sie neue/alte Schmerzen bloß verdrängen und damit ewig weitertragen? Oder besser aufarbeiten und einen neuen Lebensbezug finden? Wie leicht oder schwer das fällt, hängt von vielen Faktoren ab. Und doch ist es IMMER möglich. Die gute Nachricht: Sie müssen nicht alles alleine durchstehen. Mit professioneller Unterstützung geht es leichter, schneller und sicherer: endlich los lassen und Platz schaffen für neue Energie und Lebensfreude und wieder Sonne in Ihren Alltag bringen. Trauern ist nötig, doch es braucht auch ein Ende! Hier zwei vielhundertfach bewährte Wege aus unserem „Medizinkasten“:

Welche Frage können wir Ihnen jetzt beantworten?

Kontaktieren Sie uns einfach, alles Weitere besprechen wir dann persönlich – kostenlos, unverbindlich und diskret!

Referenten Institutsleiterin Mag. Magdalena Gasser Garten D6201bnn
Mag. Magdalena Gasser
Institutsleitung, Seminarentwicklung, Coaching
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