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Erfolgstraining: Souverän unter Druck

Viele Wege führen zum Erfolg. 12 besonders wichtige stellen wir in dieser Serie vor.

Souverän unter Druck: So beiben Sie handlungsfähig, wenn es schwierig wird!

Ruhe im Sturm

Der Kunde drängt, zwei Mitarbeiter fallen aus, das Handy klingelt und die Präsentation müsste seit gestern fertig sein. Genau jetzt wäre ein kühler Kopf praktisch. Leider hält unser Stresssystem wenig von Terminkalendern. Unter Druck werden wir schneller, gereizter, hektischer – und manchmal bemerkenswert dümmer. Souveränität bedeutet deshalb nicht, keinen Stress zu haben. Entscheidend ist, was wir tun, wenn er da ist. Wenn es hektisch wird, zeigt sich, wer sich selbst führen kann. Damit Sie auch unter Druck souverän bleiben und bei Stress klar denken, entscheiden und kommunizieren!

Inmitten der Schwierigkeiten liegen die Möglichkeiten.
Albert Einstein (1879–1955), deutsch-schweizerischer Physiker und Nobelpreisträger.

 

Souverän unter Druck
Wie gut reagieren Sie auf Druck?
Schnappschuss aus einer unserer Seminarübungen.
Foto: TELOS

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Praxistipps: Erst sich selbst führen – dann die Situation

Unter Druck schaltet unser Organismus auf Handlungsbereitschaft. Das ist grundsätzlich hilfreich. Nur leider unterscheidet unser Stresssystem nicht besonders fein zwischen Säbelzahntiger, wütendem Kunden und 47 ungelesenen E-Mails. Wer seine Reaktionen kennt und bewusst gegensteuert, gewinnt etwas enorm Wertvolles zurück: Handlungsspielraum. Zwischen Reiz und Reaktion passen oft nur wenige Sekunden. Nutzen Sie sie.

1. Bremsen Sie, bevor Sie beschleunigen

Unter Stress entsteht ein starker Impuls: sofort handeln! Genau dann lohnt sich manchmal eine winzige Pause. Einmal bewusst ausatmen, kurz zurücklehnen, einen Schluck Wasser trinken. Zehn Sekunden können reichen, um nicht die E-Mail abzuschicken, für die man sich morgen eine halbe Stunde entschuldigen muss. Praxisbeispiele:

    • Vor einer gereizten Antwort dreimal ruhig ausatmen.
    • Bei einer überraschenden Forderung sagen: „Geben Sie mir kurz einen Moment.“
    • Eine heikle E-Mail zunächst als Entwurf speichern.
    • Vor einer wichtigen Entscheidung einmal vom Bildschirm aufstehen.
    • Im Konflikt bewusst langsamer sprechen.
2. Sortieren Sie: Was brennt wirklich?

Unter Druck bekommt plötzlich alles ein rotes Blinklicht. Die Präsentation, die Kundenmail, der Rückruf, die Bestellung und der Kollege, der „nur ganz kurz“ etwas braucht. Wer alles gleichzeitig priorisiert, hat nichts priorisiert. Fragen Sie: Was hat jetzt die größten Konsequenzen? Was kann warten? Was kann jemand anderes übernehmen? Praxisbeispiele:

    • Drei Aufgaben bestimmen, die heute wirklich entscheidend sind.
    • Dringend und wichtig bewusst unterscheiden.
    • Eine Aufgabe delegieren, statt fünf halb zu erledigen.
    • Bei neuen Anforderungen klären: „Was soll dafür zurückgestellt werden?“
    • In Krisensituationen Verantwortlichkeiten eindeutig festlegen.
3. Souverän unter Druck: Machen Sie aus dem Problem eine Aufgabe

„Das geht alles schief!“ ist für das Gehirn schwer zu bearbeiten. „Wir brauchen bis 14 Uhr eine Ersatzlösung für die Lieferung“ schon eher. Stress produziert gerne Katastrophensprache. Übersetzen Sie diffuse Sorgen in konkrete Aufgaben. Je präziser das Problem, desto größer die Chance, dass Ihr Denken wieder die Führung übernimmt. Praxisbeispiele:

    • Aus „Wir schaffen das nie“ wird: „Welche zwei Schritte schaffen wir bis 12 Uhr?“
    • Aus „Der Kunde ist unmöglich“ wird: „Was genau fordert er?“
    • Aus „Alles ist dringend“ wird eine Prioritätenliste.
    • Aus „Wir haben ein Riesenproblem“ wird: „Welche Entscheidung brauchen wir jetzt?“
    • Fakten und Befürchtungen getrennt notieren.
4. Kommunizieren Sie unter Druck doppelt klar

Stress macht uns knapper – und leider nicht automatisch klarer. Halbe Sätze, gereizte Anweisungen und hektische Zurufe produzieren zusätzliche Fehler. Gerade wenn es brennt, braucht Kommunikation Struktur: Was ist passiert? Was ist jetzt wichtig? Wer macht was bis wann? Ein bisschen weniger Drama und ein bisschen mehr Klarheit wirken erstaunlich feuerlöschend. Praxisbeispiele:

    • „Du übernimmst den Kunden, ich kläre die Lieferung. Rückmeldung um 11 Uhr.“
    • Aufgaben und Zuständigkeiten kurz zusammenfassen.
    • Bei Unklarheiten nachfragen statt interpretieren.
    • Entscheidungen schriftlich festhalten.
    • Schlechte Nachrichten früh und sachlich kommunizieren.
5. Halten Sie Ihren Körper aus dem roten Bereich

Wer dauerhaft mit zu wenig Schlaf, ohne Pausen und mit Kaffee als Hauptnahrungsmittel arbeitet, kann sich zwar „belastbar“ nennen. Der Körper verwendet möglicherweise andere Begriffe. Bewegung, Schlaf, kurze Erholungsphasen und bewusste Atmung sind keine Wellness-Dekoration. Sie schaffen Voraussetzungen dafür, dass das Gehirn unter Belastung leistungsfähig bleibt. Praxisbeispiele:

    • Zwischen zwei intensiven Terminen fünf Minuten bewegen.
    • Mittagspause tatsächlich als Pause nutzen.
    • Vor wichtigen Gesprächen einige ruhige Atemzüge einplanen.
    • Nach konzentrierten Arbeitsphasen kurz abschalten.
    • Dauerstress nicht als persönlichen Leistungsnachweis missverstehen. 
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Souverän unter Druck
Wie gelassen bleiben Sie, wenn der Druck zunimmt?
Schnappschuss bei einer unserer Seminarübungen.
Foto: TELOS

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Wenn Stress plötzlich das Kommando übernimmt: unsere Fehler-Hitparade

Unter Druck greifen Menschen bevorzugt auf vertraute Verhaltensmuster zurück. Der eine wird hektisch, die andere kontrolliert alles dreimal, der Nächste wird schroff und der vierte verschwindet innerlich hinter seinem Bildschirm. Das Problem: Was kurzfristig nach Kontrolle aussieht, verschärft häufig die Lage. Wer seine persönlichen Stressmuster kennt, kann früher gegensteuern – bevor aus Zeitdruck zusätzlich Beziehungsstress wird.

Fehler 1: Aktionismus auf Höchstgeschwindigkeit

Der Fehler: Je größer der Druck, desto mehr wird gleichzeitig angefangen. Hauptsache Bewegung.
Typisches Vorkommen: Krisen, Termindruck, Personalausfälle, Reklamationen und Projektendphasen.
Das Problem: Aktivität fühlt sich nach Kontrolle an. Doch häufig steigen Fehlerquote, Wechselkosten und Unübersichtlichkeit.
Besser: Kurz stoppen, Lage erfassen, priorisieren. Erst entscheiden, was jetzt wichtig ist – dann Tempo aufnehmen.

Fehler 2: Stress nach unten weiterreichen

Der Fehler: Der eigene Druck landet ungefiltert bei Mitarbeitern, Kollegen oder Kunden. Der Ton wird schärfer, Geduld knapper und aus „Bitte bis 14 Uhr“ wird „Wie oft muss ich das eigentlich noch sagen?“.
Typisches Vorkommen: Führung, Kundenservice, Projektarbeit und überall dort, wo Abhängigkeiten bestehen.
Das Problem: Stress ist ansteckend. Gereiztheit erzeugt Gegenreaktionen, Unsicherheit und zusätzliche Fehler.
Besser: Sache und Emotion trennen. Klar und verbindlich kommunizieren, ohne den eigenen Stress als Gratisbeilage mitzuliefern.

Fehler 3: Den Helden spielen

Der Fehler: „Ich schaffe das schon.“ Alles selbst übernehmen, keine Hilfe verlangen, Pausen streichen und noch eine Aufgabe draufpacken.
Typisches Vorkommen: Besonders bei leistungsorientierten Mitarbeitern und Führungskräften.
Das Problem: Kurzfristig kann das funktionieren. Dauerhaft sinken Regeneration, Konzentration und Entscheidungsqualität.
Besser: Ressourcen realistisch einschätzen, früh delegieren, Unterstützung holen und Grenzen kommunizieren. Souveränität zeigt sich manchmal gerade darin, rechtzeitig „So geht es nicht weiter“ zu sagen.

Führung unter Druck
Druck aushalten gehört zum Job jeder Frühungskraft, doch dabei auch souverän und Handlungsfähig zu bleiben, ist noch wichtiger!
Symbolbild aus unseren Seminarunterlagen.
Illustration und Repro: TELOS

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Wer’s genau wissen will: wissenschaftliche Fakten zum Thema Stress und Souveränität

Stress gehört zu den intensiv erforschten Phänomenen der Psychologie, Medizin und Neurowissenschaft. Forscher untersuchen, wie akute Belastung Aufmerksamkeit, Gedächtnis und Entscheidungen verändert – und warum derselbe Druck den einen aktiviert und den anderen blockiert. Besonders spannend für den Berufsalltag: Unsere Reaktion auf Stress ist keineswegs vollständig vorgegeben. Bewertung, Erfahrung und trainierbare Strategien spielen eine wichtige Rolle.

Fakt 1: Stress kann unsere geistige Steuerzentrale beeinträchtigen
Eine Metaanalyse von Shields, Sazma und Yonelinas untersuchte zahlreiche Studien zum Einfluss akuten Stresses auf sogenannte Exekutivfunktionen – jene geistigen Prozesse, die wir zum Planen, Kontrollieren, flexiblen Denken und Unterdrücken spontaner Reaktionen benötigen. Akuter Stress beeinträchtigte insbesondere Arbeitsgedächtnis und kognitive Flexibilität. Genau jene Fähigkeiten also, die wir dringend brauchen, wenn gleichzeitig fünf Probleme auf dem Tisch liegen. Ein guter Grund, in hektischen Situationen nicht noch zusätzlich fünf Aufgaben gleichzeitig zu jonglieren.

Fakt 2: Stress ist nicht automatisch der Feind
Stressreaktionen mobilisieren Energie und bereiten den Organismus auf Leistung vor. Entscheidend ist unter anderem, wie wir diese körperliche Aktivierung bewerten. Studien von Jeremy Jamieson und Kollegen zeigten, dass Menschen, die ihre Stressreaktionen als hilfreich für die bevorstehende Aufgabe interpretierten, unter Druck günstigere physiologische Reaktionsmuster und teilweise bessere Leistungen zeigten. Herzklopfen muss also nicht heißen: „Ich bin überfordert.“ Es kann auch heißen: „Mein Körper stellt gerade Energie bereit.“

Fakt 3: Resilienz ist für Unternehmen eine Schlüsselkompetenz
Der Future of Jobs Report 2025 des World Economic Forum zeigt, wie hoch Unternehmen Anpassungsfähigkeit inzwischen bewerten. Resilienz, Flexibilität und Agilität liegen mit 67 Prozent auf Platz 2 der wichtigsten Kernkompetenzen, unmittelbar hinter analytischem Denken mit 69 Prozent. Zudem gehören sie zu den Fähigkeiten, deren Bedeutung bis 2030 weiter steigen soll. Besonders bemerkenswert: Resilienz, Flexibilität und Agilität unterscheiden wachsende von schrumpfenden Berufsfeldern stärker als jede andere untersuchte Kompetenzgruppe.

Fakt 4: Stress verändert auch Entscheidungen
Akuter Stress kann beeinflussen, wie Menschen Risiken, Belohnungen und Handlungsalternativen bewerten. Forschung zeigt dabei kein simples Schema nach dem Motto „Stress macht immer schlechte Entscheider“. Die Auswirkungen hängen unter anderem von Situation, Zeitpunkt und Art der Entscheidung ab. Für den Arbeitsalltag folgt daraus eine praktische Konsequenz: Bei hoher Aktivierung wichtige Entscheidungen möglichst strukturieren, Fakten explizit prüfen und – wenn möglich – einen zweiten Blick einbauen. Der Bauch darf mitreden. Alleinige Geschäftsführung sollte er unter Hochdruck besser nicht übernehmen.

 


Auch gezielte Entspannungsübungen helfen, unter Druck gelassen und handlungsfähig zu bleiben.
Schnappschuss bei einem Outdoortraining in hilfreicher Naturumgebung.
Foto: TELOS

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Souverän unter Druck, wenn es ungemütlich wird

Solange alles nach Plan läuft, ist Gelassenheit keine große Kunst. Interessant wird es, wenn Termine kippen, Kunden drängen, Fehler passieren und gleichzeitig drei Menschen eine Entscheidung wollen. Dann zeigt sich Selbstführung. Souverän unter Druck zu bleiben bedeutet dabei keineswegs, innerlich tiefenentspannt durch jede Krise zu schweben. Stress aktiviert uns – und das kann hilfreich sein. Entscheidend ist, dass die Aktivierung nicht ungefiltert unser Verhalten steuert.

Die wirksamsten Strategien sind erstaunlich bodenständig: kurz stoppen, bewusst atmen, Fakten von Befürchtungen trennen, priorisieren, Aufgaben konkretisieren und klar kommunizieren. Dazu gehört auch, die eigenen Stressmuster zu kennen. Wer weiß, dass er unter Druck hektisch, aggressiv, perfektionistisch oder zum Einzelkämpfer wird, erkennt früher den Moment, an dem Gegensteuern nötig ist.

Für Führungskräfte kommt ein weiterer Punkt hinzu: Der eigene Umgang mit Druck wirkt ins Team. Ruhe, Klarheit und Orientierung können sich übertragen. Hektik und Gereiztheit leider ebenfalls. Souverän unter Druck heißt deshalb nicht: Ich habe alles unter Kontrolle. Viel hilfreicher ist: Ich kann mein Verhalten auch dann steuern, wenn gerade nicht alles unter Kontrolle ist.

Die TELOS.Expertenbox

Souveränität unter Druck heißt: kurz bremsen, klar priorisieren, konkret denken und verständlich kommunizieren. Stress lässt sich nicht immer vermeiden – die eigene Reaktion darauf lässt sich trainieren.

 

Mitarbeitermotivation Seminarübung Schlangenfangen
Das Ziel erreichen, obwohl alle anderen bremsen – das macht Druck. 
Teilnehmende bei einer unserer Seminarübungen zeigen souverände Durchsetzungkraft auch bei schwierigen Situationen!
Foto:TELOS

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Einen kühlen Kopf kann man trainieren

Souverän unter Druck – das lässt sich systematisch verbessern. In unseren Trainings und Coachings erleben wir, dass Führungskräfte klarer kommunizieren, Mitarbeiter früher priorisieren, schwierige Situationen bewusster einordnen und Teams mit konkreten Stress- und Notbremstechniken schneller wieder handlungsfähig werden.

TELOS verbindet dabei über 30 Jahre Erfahrung in Psychologie und Wirtschaft mit aktuellen Methoden und maßgeschneiderten Weiterbildungsmaßnahmen. Inhalte, Übungen und Transfer werden präzise auf Unternehmen, Zielgruppen und typische Belastungssituationen abgestimmt und durch Lernerfolgskontrollen begleitet. Denn Druck lässt sich im Berufsleben nicht abschaffen. Der Umgang damit lässt sich prima verbessern!

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Mag. Magdalena Gasser
Institutsleitung | Personalentwicklung | Coaching

Quellen:

Shields, G. S., Sazma, M. A. & Yonelinas, A. P. (2016), Neuroscience & Biobehavioral Reviews, 68, 651–668.   Jamieson, J. P., Nock, M. K. & Mendes, W. B. (2012), Journal of Experimental Psychology: General, 141(3), 417–422.   World Economic Forum, Future of Jobs Report 2025.   Starcke, K. & Brand, M. (2012), Neuroscience & Biobehavioral Reviews, 36(4), 1228–1248.