
Viele Wege führen zum Erfolg. 12 besonders wichtige stellen wir in dieser Serie vor.
Reden können viele. Zuhören angeblich auch. Zumindest halten sich erstaunlich viele Menschen für gute Zuhörer. Die Realität sieht bisweilen anders aus: Wir unterbrechen, formulieren innerlich schon unsere Antwort, werfen vorschnell Lösungen ein oder werfen „nur ganz kurz“ einen Blick aufs Handy. Dabei gehört gutes Zuhören zu den wertvollsten Fähigkeiten im Berufsleben. Und zu den preiswertesten: Zwei offene Ohren werden serienmäßig mitgeliefert. Kluge Führungskräfte nutzen daher sehr wol das Zaubermittel „Zuhören“!
Die Natur hat uns nur einen Mund, aber zwei Ohren gegeben, was darauf hindeutet, dass wir weniger sprechen und mehr zuhören sollten.
Zenon von Kition (ca. 334–262 v. Chr.) – griechischer Philosoph und Begründer der Stoa.

Nichts sehen, nichts sagen, nichts hören wollen – das sind für Führungskräfte prima Chancen für hervorragenden Misserfolg!
Schnappschuss aus einem unserer Trainings am Gardasee.
Foto: TELOS
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Gutes Zuhören beginnt mit einer simplen Entscheidung: Der andere darf seinen Gedanken tatsächlich zu Ende denken. Das klingt erschreckend banal – und erweist sich im Arbeitsalltag als erstaunlich anspruchsvoll. Wer aufmerksam zuhört, erfährt mehr über Bedürfnisse, Einwände, Konflikte, Ideen und Motive. Und spart sich später so manches Missverständnis, das mit fünf Minuten Zuhören billiger gewesen wäre.
Unterbrechen ist verführerisch. Schließlich wissen wir oft schon nach einem halben Satz, was der andere sagen will. Glauben wir zumindest. Lassen Sie Ihr Gegenüber ausreden und halten Sie kurze Pausen aus. Häufig kommt gerade nach dem vermeintlichen Ende eines Satzes die Information, um die es eigentlich geht. Praxisbeispiele:
Menschen lieben Interpretationen. „Der Kunde will einen Rabatt.“ „Die Mitarbeiterin ist unmotiviert.“ „Dem Kollegen passt die neue Regel nicht.“ Vielleicht. Vielleicht auch nicht. Gute Zuhörer überprüfen ihre Vermutungen mit Fragen. Das kostet wenige Sekunden und verhindert, dass anschließend zehn Minuten brillant über das falsche Problem gesprochen wird. Praxisbeispiele:
Paraphrasieren gehört zum aktiven Zuhören: Geben Sie mit eigenen Worten wieder, was Sie verstanden haben. Das signalisiert Aufmerksamkeit und bietet dem anderen gleichzeitig die Möglichkeit, Missverständnisse zu korrigieren. Wortwörtliches Nachplappern wirkt dagegen ungefähr so natürlich wie ein Gespräch mit dem Navigationsgerät. Praxisbeispiele:
Ein Mitarbeiter schildert ein Problem – und schon springt der innere Problemlöser aus der Schachtel. „Mach doch einfach …!“ Gut gemeint. Trotzdem zu früh. Menschen wollen häufig zunächst verstanden werden. Wer sofort Lösungen serviert, kennt möglicherweise erst die Hälfte des Problems und nimmt dem anderen die Chance, selbst zu einer tragfähigen Lösung zu kommen. Praxisbeispiele:
Worte liefern Informationen. Stimme, Tempo, Pausen, Gesichtsausdruck und Körpersprache liefern weitere. Wenn jemand „Alles bestens!“ sagt und dabei klingt, als hätte man gerade seinen Dienstwagen verschrottet, lohnt sich eine Nachfrage. Gute Zuhörer achten deshalb auf Inhalt UND Beziehungsebene – ohne sich gleich zum Hobby-Psychoanalytiker aufzuschwingen. Praxisbeispiele:
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Sie kennen solche Sitzungen: eine(r) redet, alle anderen sollen zuhören – driften aber bald ab …
Besser klappt da unser Zaubermittel „Zuhören“!
Schnappschuss aus einem unserer interaktiven Seminare, Foto: TELOS
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Schlechtes Zuhören hat selten mit schlechten Ohren zu tun. Unser Gehirn bewertet, ergänzt und plant permanent. Dazu kommen Zeitdruck, Smartphones und der Wunsch, kompetent zu wirken. Besonders fatal: Viele Zuhörfehler fühlen sich für den Zuhörer ausgesprochen produktiv an. Er denkt nach, entwickelt Lösungen, bereitet Argumente vor. Nur eines tut er dabei immer weniger: zuhören.
Der Fehler: Während der andere spricht, basteln Sie bereits an Ihrer Antwort. Der Mund schweigt, aber im Kopf läuft Ihre eigene Pressekonferenz.
Typisches Vorkommen: Diskussionen, Konflikte, Verhandlungen, Mitarbeitergespräche und Meetings. Besonders beliebt, wenn man widersprechen möchte.
Das Problem: Wer seine Antwort vorbereitet, verarbeitet neue Informationen nur noch eingeschränkt. Nuancen, Begründungen und Zwischentöne gehen verloren.
Besser: Den eigenen Antwortimpuls kurz parken. Erst verstehen, gegebenenfalls zusammenfassen – dann antworten.
Der Fehler: Kaum ist das Problem ausgesprochen, liegt schon die Lösung auf dem Tisch. Zack, erledigt.
Typisches Vorkommen: Führungsgespräche, Reklamationen, Teamkonflikte und Gespräche mit gestressten Mitarbeitern.
Das Problem: Vielleicht wollte der andere keine fertige Lösung. Vielleicht kennt er sie selbst. Vielleicht haben Sie das Problem noch gar nicht vollständig verstanden.
Besser: Erst fragen: „Was wäre für Sie hilfreich?“ oder „Wollen wir gemeinsam nach einer Lösung suchen?“ Beratung wirkt besser, wenn vorher ausreichend verstanden wurde.
Der Fehler: „Ich höre dir zu!“ – während der Blick zwischen Gegenüber, Handy und Bildschirm pendelt. Multitasking klingt modern, fühlt sich für Gesprächspartner aber häufig ziemlich altmodisch nach Desinteresse an.
Typisches Vorkommen: Besprechungen, Mitarbeitergespräche, Kundentermine und Videokonferenzen.
Das Problem: Aufmerksamkeit ist selbst eine Botschaft. Wer sie sichtbar entzieht, schwächt die Beziehungsebene.
Besser: Smartphone weg, Benachrichtigungen aus, Blick zum Menschen. Fünf Minuten ungeteilte Aufmerksamkeit können mehr bewirken als zwanzig Minuten halbherzige Anwesenheit.

Hören Sie nicht nur Worte – verstehen Sie Menschen!
Schnappschuss aus einem intensiven Gespräch bei einem unserer Seminare.
Foto: TELOS
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Zuhören beschäftigt Kommunikationsforscher, Sozialpsychologen und Organisationsforscher weltweit. Untersucht wird längst nicht mehr nur, ob jemand Informationen korrekt aufnimmt. Interessant ist vor allem, was hochwertiges Zuhören beim Sprecher auslöst: Fühlt er sich sicherer? Denkt er klarer? Wird er offener? Entstehen bessere Beziehungen und möglicherweise sogar bessere Ideen? Die Forschung liefert dazu bemerkenswert handfeste Antworten.
Fakt 1: Zuhören ist eine wirtschaftlich relevante Kernkompetenz
Das World Economic Forum befragte für seinen Future of Jobs Report 2025 mehr als 1.000 Arbeitgeber, die zusammen über 14 Millionen Beschäftigte repräsentieren. Empathie und aktives Zuhören landeten auf Platz 7 der wichtigsten Kernkompetenzen und wurden von 50 Prozent der befragten Arbeitgeber als zentrale Fähigkeit ihrer Belegschaft eingestuft. Bemerkenswert in Zeiten von KI und Digitalisierung: Je leistungsfähiger Technik wird, desto weniger verzichtbar werden offenbar jene Fähigkeiten, mit denen Menschen Menschen verstehen.
Fakt 2: Gute Zuhörer helfen anderen beim klareren Denken
Guy Itzchakov und Kollegen untersuchten experimentell, was passiert, wenn Menschen ihre Einstellungen gegenüber besonders aufmerksamen, empathischen und nicht wertenden Zuhörern äußern. Hochwertiges Zuhören verringerte soziale Ängstlichkeit und regte die Sprecher dazu an, ihre eigenen Gedanken intensiver zu reflektieren. Dadurch wurde ihnen klarer, was sie selbst eigentlich denken. Zuhören ist damit weit mehr als Informationsaufnahme: Ein guter Zuhörer kann seinem Gegenüber helfen, die eigenen Gedanken besser zu sortieren.
Fakt 3: Zuhören kann psychologische Sicherheit stärken
Eine Langzeitstudie von Guy Itzchakov und Kollegen begleitete Lehrkräfte über ein Schuljahr bei einem systematischen Zuhörtraining. Mit zunehmendem Training berichteten die Teilnehmer über hochwertigeres Zuhören untereinander und zugleich über mehr psychologische Sicherheit, mehr erlebte Autonomie und mehr positive Energie aus ihren Beziehungen. Für Unternehmen ist das hochinteressant: Wo Menschen sich gehört fühlen, fällt es leichter, Gedanken offen auszusprechen – auch dann, wenn sie unbequem, unfertig oder kritisch sind.
Fakt 4: Zuhören wirkt im Arbeitsleben auf mehreren Ebenen
Eine umfassende Forschungsübersicht von Kluger und Itzchakov beschreibt Zuhören als wichtigen Faktor für zahlreiche Prozesse im Arbeitsleben. Hochwertiges Zuhören kann Beziehungen und Verbundenheit fördern, die psychologische Sicherheit unterstützen und die Qualität von Gesprächen verbessern. Die Autoren betonen zugleich: Wirklich gutes Zuhören verlangt Aufmerksamkeit, Verständnis und eine positive, nicht vorschnell wertende Haltung. Schweigen allein reicht also nicht. Sonst wäre jede Parkbank ein begnadeter Kommunikationstrainer.
Zuhören sieht von außen unspektakulär aus. Genau darin liegt vermutlich sein Imageproblem. Wer eine brillante Rede hält, fällt auf. Wer im richtigen Moment schweigt, nachfragt und wirklich verstehen will, bekommt selten Applaus. Dafür bekommt er etwas möglicherweise Wertvolleres: Informationen.
Führungskräfte erfahren früher, was Mitarbeiter beschäftigt. Verkäufer entdecken Bedürfnisse hinter Einwänden. Kollegen erkennen Konflikte, bevor sie explodieren. In Verhandlungen werden Interessen sichtbar, die hinter Positionen liegen. Und Kunden müssen ihr Anliegen nicht dreimal erklären, bevor jemand endlich begreift, worum es geht.
Gutes Zuhören verlangt dabei mehr als höfliches Schweigen. Es bedeutet, Aufmerksamkeit zu schenken, Unterbrechungen auszuhalten, Fragen zu stellen, Aussagen zusammenzufassen, vorschnelle Bewertungen zurückzustellen und nicht bei jedem Problem sofort den Werkzeugkasten mit Lösungen auszukippen.
Der vielleicht wichtigste Perspektivwechsel lautet: Sie müssen in einem Gespräch nicht ständig beweisen, wie viel Sie wissen. Finden Sie lieber heraus, was der andere weiß, denkt, braucht und befürchtet. Wer nur redet, erfährt vor allem das, was er ohnehin schon wusste. Wer zuhört, kann dazulernen.
Wer gut zuhört, erfährt mehr, versteht genauer und schafft Vertrauen. Das Zaubermittel „Zuhören“ beinhaltet ausreden lassen, nachfragen, zusammenfassen und vorschnelle Lösungen vermeiden: Kleine Veränderungen mit großer Wirkung.

Klare Worte sind wichtig, auch für Führungskräfte. Doch ein offenes Ohr ist mindestens gleich wichtig! Das Zaubermittel „Zuhören“ bringt mehr Informationen und macht aus Gesprächen echte Dialoge!
Schnappschuss aus einem unserer Seminare, Foto: TELOS
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Zuhören lässt sich trainieren – und professionelles Feedback macht dabei einen erheblichen Unterschied. In unseren Seminaren, Trainings und Coachings erleben wir beispielsweise, dass Führungskräfte bei Mitarbeitergesprächen leichter vorschnellen Lösungen vermeiden, Verkäufer Kundenbedürfnisse genauer erfragen und Teams Konflikte früher ansprechen. Auch schwierige Gespräche werden häufig ruhiger, sobald echtes Verstehen vor dem Antworten kommt. TELOS verbindet dabei über 30 Jahre Erfahrung mit aktuellen psychologischen Erkenntnissen und modernen Trainingsmethoden. Die Maßnahmen werden präzise auf Unternehmen, Zielgruppen und konkrete Gesprächssituationen zugeschnitten und durch Übungen, Feedback, Transferaufgaben und präzisen Lernerfolgskontrollen begleitet.
Kontaktieren Sie uns einfach, alles Weitere besprechen wir dann persönlich – kostenlos, unverbindlich und diskret!

Mag. Magdalena Gasser
Institutsleitung | Personalentwicklung | Coaching
World Economic Forum, Future of Jobs Report 2025. Itzchakov, G. et al. (2018), Personality and Social Psychology Bulletin, 44(5), 762–778. Itzchakov, G. et al. (2023), Psychology in the Schools, 60(4), 1279–1298. Kluger, A. N. & Itzchakov, G. (2022), Annual Review of Organizational Psychology and Organizational Behavior, 9, 121–146.