
Bei jeder Entscheidung redet ein Teil von uns mit, den wir kaum kennen.
Geben Sie Ihrer Vernunft und Ihrer Intuition eine gemeinsame Stimme!
Liebe auf den ersten Blick? Bauchgefühl? Oder doch lieber eine gründliche Excel-Tabelle mit sämtlichen Vor- und Nachteilen? Wir Menschen halten uns gerne für vernünftige Entscheider. Doch während unser Verstand noch Argumente sortiert, hat unser Bauch manchmal längst entschieden. Besonders spannend wird das bei der Partnerwahl. Der Brautschau-Test führt uns augenzwinkernd vor Augen, wie geheimnisvoll unsere Entscheidungen manchmal entstehen. Und warum sich ein genauerer Blick auf unsere unbewussten Motive lohnt.
Roland, 43 Jahre, Unternehmer und Ingenieur, ist ein ausgesprochen rationaler Mensch. In seinem Beruf plant, kalkuliert und überprüft er sorgfältig. Schließlich trägt er Verantwortung für sein Unternehmen, seine Mitarbeitenden und wirtschaftliche Entscheidungen. Doch im Privatleben erlebt er sich manchmal völlig anders. Das verwundert ihn gewaltig. Roland berichtet aus seinem Leben (alle Namen und persönlichen Angaben von TELOS verändert, Bericht gekürzt):
„Ich bin ein Kopfmensch und als Ingenieur berechne ich lieber vorher alles, als nachher vor Überraschungen zu stehen. Das tut auch meiner Firma gut. Ich weiß aus langer Erfahrung, und der Erfolg gibt mir dabei recht, dass ich meine Firma gut führen kann, die Marktsituation richtig einschätze und alles Berufliche gut überblicke und im Griff habe. Allerdings ist es im Leben, im privaten Bereich, nicht so. Als ob mich eine unsichtbare Macht zwingen würde, Dinge zu tun, ohne dass ich das vorher reiflich durchdacht hätte – wie es doch sonst meine Art ist. Und so passiert es mir immer wieder, dass ich im Privaten Entscheidungen treffe, von denen ich im Nachhinein nicht verstehen kann, warum ich das getan habe. Nicht, dass dadurch etwas daneben ginge, es klappt trotzdem alles gut, aber wundern tu ich mich schon …“
Roland beschreibt damit eine Erfahrung, die vermutlich vielen Menschen bekannt vorkommt. Im Beruf handeln wir überlegt, bei privaten Entscheidungen lassen wir uns plötzlich von Gefühlen leiten. Da sagt jemand spontan Ja, obwohl er eigentlich Bedenkzeit wollte. Ein anderer entscheidet sich für eine Wohnung, obwohl eine zweite objektiv günstiger erscheint. Und wieder jemand verliebt sich ausgerechnet in einen Menschen, der überhaupt nicht seinem bisherigen Idealbild entspricht. Hat unser Verstand etwa Feierabend gemacht? Keineswegs. Vielmehr arbeiten bewusste Überlegungen und automatische Bewertungsprozesse ständig zusammen. Manchmal ergänzen sie einander hervorragend, manchmal geraten sie in Konflikt.
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Der Brautschau-Test hilft: machen Sie aus Bauchgefühl bewusste Entscheidungskraft!
Repro aus unseren Seminarunterlagen.
Foto: TELOS
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Bei jeder Entscheidung verarbeitet unser Gehirn weit mehr Informationen, als uns bewusst werden. Wir nehmen Gesichtsausdrücke, Stimmen, Stimmungen, frühere Erfahrungen und unzählige kleine Einzelheiten wahr. Ein Teil davon fließt in unsere Bewertungen ein, ohne dass wir die einzelnen Schritte bewusst nachvollziehen können. In der Psychologie spricht man dabei von unbewussten oder automatischen Verarbeitungsprozessen. Im Alltag nennen wir das häufig schlicht Bauchgefühl oder Intuition (genau dies prüfen wir mit demBrautschau-Test). Es fühlt sich an, als wüssten wir plötzlich, was richtig ist, ohne genau erklären zu können, warum. Das funktioniert bei kleinen Entscheidungen ebenso wie bei größeren. Wir finden jemanden auf Anhieb sympathisch, fühlen uns in einem Raum sofort wohl oder haben bei einem Angebot ein ungutes Gefühl. Erst anschließend suchen wir möglicherweise nach einer vernünftigen Erklärung. Unser Verstand liefert dann manchmal einen beeindruckend ausführlichen Bericht. Leider ist er keineswegs immer vollständig über die tatsächlichen Beweggründe informiert. Gewissermaßen schreibt er das Sitzungsprotokoll einer Besprechung, bei der er teilweise gar nicht anwesend war.
Stellen Sie sich vor, Sie möchten einen Partner oder eine Partnerin fürs Leben finden. Sie betreten ein gut besuchtes Café. Zehn interessante Menschen sitzen an unterschiedlichen Tischen. Selbstverständlich gehen Sie jetzt systematisch vor. Schließlich handelt es sich um eine bedeutende Lebensentscheidung, da wird gefälligst gründlich geprüft! Sie ziehen Ihre vorbereitete Checkliste aus der Tasche und beginnen mit der Befragung: „Entschuldigen Sie bitte, ich bin auf Partnersuche. Dürfte ich Ihnen einige Fragen stellen?“ Es folgen Einkommen, Familienstand, Versicherungen, Erbkrankheiten, Kinderwunsch, Lebensplanung, sportliche Interessen, Kochkünste, politische Einstellungen und psychophysische Belastbarkeit. Natürlich möchten Sie auch etwas über den Gutmütigkeitsfaktor, die Konfliktfähigkeit und die voraussichtliche Entwicklung des Körpergewichts in den nächsten zwanzig Jahren erfahren.
Nach Abschluss der Datenerhebung erstellen Sie eine gewichtete Entscheidungsmatrix. Anschließend werden sämtliche Kandidaten nach einem ausgeklügelten Punktesystem bewertet. Die Person mit der höchsten Gesamtpunktzahl gewinnt. Herzlichen Glückwunsch! Sie haben soeben die Liebe Ihres Lebens berechnet. Klingt romantisch, nicht wahr? Wahrscheinlich würden Sie bei einer derartigen Brautschau schneller alleine dasitzen, als Sie „Partnerschaftskompatibilitätsanalyse“ aussprechen können. Zum Glück läuft das wirkliche Leben auch ohne Brautschau-Test meistens ein wenig anders ab.
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Die geheime Stimme: Habe ich richtig entschieden?
Repro aus unseren Seminarunterlagen.
Symbolbild: TELOS
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Nehmen wir an, ein Mann betritt das Café und sieht zehn Frauen, die seinem ungefähren Altersbereich entsprechen. Einige nimmt er kaum wahr, andere wecken sofort sein Interesse. Bei einer bleibt sein Blick besonders lange hängen. Warum gerade bei ihr? Vielleicht gefallen ihm ihre Augen, ihr Lächeln oder ihre Stimme. Vielleicht erinnert ihn ihre Ausstrahlung an jemanden, mit dem er schöne Erfahrungen gemacht hat. Vielleicht spielt auch einfach die augenblickliche Stimmung eine Rolle.
Bei Frauen funktioniert diese erste Wahrnehmung grundsätzlich ähnlich. Sie betreten eine Bar, entdecken interessante Männer und entwickeln manchmal erstaunlich schnell erste Sympathien oder Vorbehalte. Und selbstverständlich gilt dasselbe unabhängig davon, zu welchem Geschlecht wir uns hingezogen fühlen. Da wird geschaut, gelächelt, geflirtet und manchmal auch ordentlich angegeben. Besonders bei Letzterem entwickeln manche Menschen bemerkenswerte Talente.
Natürlich gibt es keine allgemeingültige Drei-Sekunden-Regel, nach der unser Gehirn zuverlässig den richtigen Lebenspartner auswählt. Und aus einem ersten Eindruck lässt sich schon gar nicht das spätere Beziehungsglück vorhersagen. Trotzdem zeigt das Beispiel etwas Interessantes: Unsere bewussten Vorstellungen erklären längst nicht alles, was wir attraktiv, sympathisch oder anziehend finden. Ob daraus tatsächlich eine gute Partnerschaft entsteht, hängt anschließend von vielen weiteren Faktoren ab. Gemeinsame Werte, gegenseitiger Respekt, Verlässlichkeit und die Fähigkeit, mit Konflikten umzugehen, gewinnen im Laufe einer Beziehung erheblich an Bedeutung. Ein schönes Lächeln kann schließlich bezaubern. Den Abwasch erledigt es leider nicht, das schafft auch nicht der Brautschau-Test.
Und klar gibt es Ausnahmen. Wie haben Sie Ihren heutigen oder einen früheren Partner kennengelernt? Haben Sie zuerst eine detaillierte Analyse durchgeführt? Oder hat die Sympathie längst mitgeredet, bevor Sie alle wichtigen Informationen gesammelt hatten? In Liebesangelegenheiten spielen Gefühle eine besonders wichtige Rolle. Schließlich möchten wir mit einem Menschen zusammenleben, zu dem wir uns hingezogen fühlen und bei dem wir uns wohlfühlen. Doch auch abseits der Liebe beeinflussen spontane Eindrücke unsere Entscheidungen. Beim Kauf einer Wohnung, bei der Wahl eines Urlaubs, bei Freundschaften oder bei der Entscheidung für einen neuen Arbeitsplatz.
Interessanterweise können wir im Nachhinein oft wunderbar erklären, warum wir uns so entschieden haben. Manchmal sind diese Erklärungen zutreffend, manchmal übersehen sie wichtige Einflüsse. Das bedeutet allerdings nicht, dass sämtliche Vernunftentscheidungen bloß Illusionen wären. Menschen können durchaus bewusst Informationen abwägen, Argumente prüfen und ihre Entscheidungen überdenken. Die eigentliche Kunst besteht darin, auch ganz ohne Brautschau-Test automatische Eindrücke zu erkennen und dort sorgfältig zu prüfen, wo sie uns möglicherweise in die Irre führen.
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Hören Sie auf Ihren Bauch – aber nehmen Sie den Kopf mit!
Unser NLP-Trainer Alexander Almstätter zeigt bei einem Seminar Ein Gehirn-Modell
Foto: TELOS
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Selbst so wichtige Entscheidungen wie die Partnerwahl nicht mit Checklisten treffen, mögen die auch durchaus vernünftig begründet sein, sondern mit dem Bauch. Und was dort drin ist, haben wir uns in der Kindheit angeeignet. Das schadet nicht, alle unsere Wertmaßstäbe haben wir schließlich gelernt, dieser innere Wegweiser wurde uns durch lange Jahre hindurch angeeignet durch die Menschen, die es im allgemeinen gut mit uns meinen (sollten): unsere Eltern, miterziehende Verwandte, Lehrer und andere Menschen, die uns durch die Kindheit begleitet haben.
Ob dabei allerdings wirklich alles gut war, darf bezweifelt werden, auch wenn beste Absichten dahintergestanden sein mögen. Die zarte, beeinflussbare Seele des Kindes kann sehr leicht verbogen werden und mit negativen Ereignissen, Handlungen und Worten belastet werden. Dieser Ballast sinkt als unsichtbarer Former in die Tiefen unseres Unterbewusstseins und wirkt, solange er unerledigt bleibt, im Geheimen bis in unsere Gegenwart als Erwachsene. Als ob wir Puppen wären, die immer noch an den Fäden hängen, die damals angelegt wurden.
Unser Bauchgefühl fällt nicht vom Himmel. Es entwickelt sich unter anderem aus Erfahrungen, die wir im Laufe unseres Lebens sammeln. Dabei spielen die ersten Lebensjahre eine wichtige Rolle. Schon als Kinder lernen wir, welche Menschen uns Sicherheit vermitteln, welches Verhalten Anerkennung bringt und welche Situationen unangenehm oder gefährlich erscheinen. Wir beobachten, wie Eltern, Geschwister und andere Bezugspersonen Entscheidungen treffen, miteinander sprechen und Konflikte lösen. Aus solchen Erfahrungen können persönliche Erwartungen entstehen. Vielleicht verbinden wir bestimmte Verhaltensweisen mit Verlässlichkeit, andere mit Unsicherheit. Vielleicht fühlen wir uns bei ruhigen Menschen besonders wohl oder finden selbstbewusstes Auftreten ausgesprochen anziehend. Später können diese Erfahrungen unsere spontanen Bewertungen beeinflussen. Allerdings stammen längst nicht alle unbewussten Vorlieben aus der Kindheit. Auch spätere Beziehungen, kulturelle Einflüsse, persönliche Interessen und aktuelle Lebensumstände spielen eine Rolle. Und selbstverständlich gibt es individuelle Unterschiede. Was den einen Menschen begeistert, lässt den anderen vollkommen kalt. Gut so. Sonst würden wir uns schließlich alle in dieselbe Person verlieben. Das gäbe ein ziemliches Gedränge!
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Was wir als Kind erlebt haben, im Guten wie im Bösen, reicht von damals in die Gegenwart
Repro aus unseren Seminarunterlagen.
Foto: TELOS
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Eltern möchten ihren Kindern gewöhnlich ein gutes Rüstzeug fürs Leben mitgeben. Sie vermitteln Werte, Regeln und Vorstellungen darüber, was wichtig und richtig ist. Dabei können sie vieles hervorragend machen. Manchmal liegen sie aber auch daneben. Vielleicht wurde ein Kind ständig zur Vorsicht angehalten und scheut später jede Unsicherheit. Ein anderes lernte, dass man seinen Gefühlen besser nicht vertraut. Wieder ein anderes durfte kaum eigene Entscheidungen treffen und sucht als Erwachsener ständig nach Bestätigung. Solche Erfahrungen können nachwirken, müssen es aber keineswegs. Menschen entwickeln sich schließlich weiter und können neue Erfahrungen machen. Entscheidend ist, dass wir unsere heutigen Bewertungen gelegentlich überprüfen. Ein ungutes Gefühl kann auf eine tatsächliche Gefahr hinweisen. Es kann aber auch durch eine frühere Erfahrung beeinflusst sein, die zur aktuellen Situation kaum passt. Deshalb lohnt es sich, genauer hinzuschauen: Worauf gründet sich mein Eindruck? Welche Erfahrungen sprechen dafür? Welche dagegen? So bekommt unser Bauchgefühl eine Chance, sich zu bewähren.
Jetzt sollten wir dem Unterbewusstsein allerdings keinen Heiligenschein verpassen. Denn unser Bauchgefühl kann uns auch gewaltig täuschen. Ein Mensch wirkt sympathisch, weil er uns an einen guten Freund erinnert. Ein anderer erscheint uns unsicher, obwohl er schlicht schüchtern ist. Und ein vermeintlich hervorragendes Angebot begeistert uns vor allem deshalb, weil ein geschickter Verkäufer ein künstliches Gefühl von Zeitdruck erzeugt. Solche spontanen Bewertungen können nützlich sein. Sie sind aber anfällig für Fehleinschätzungen und Vorurteile. Besonders vorsichtig sollten wir sein, wenn uns Erfahrung fehlt, hohe Risiken bestehen oder wichtige Informationen fehlen. Bei größeren finanziellen Entscheidungen, medizinischen Fragen oder langfristigen Verpflichtungen wäre blindes Vertrauen in die Intuition ziemlich leichtsinnig. Umgekehrt kann endloses Grübeln ebenfalls zum Problem werden. Wer jede Kleinigkeit bis ins letzte Detail analysiert, verliert manchmal den Blick für das Wesentliche. Was also tun? Eine brauchbare Faustregel lautet: Je größer die Folgen einer Entscheidung und je geringer unsere Erfahrung, desto gründlicher sollten wir prüfen. Bei vertrauten Situationen kann dagegen ein gut geschultes Bauchgefühl ausgesprochen hilfreich sein.
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Entscheiden Sie mit Gefühl, Erfahrung und klarem Verstand!
Schnappschuss aus einem unserer Seminare in Wien.
Foto: TELOS
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Stellen Sie sich einen Bergwanderer vor. Er packt Proviant, Trinkwasser, Wetterschutz und vielleicht eine Wanderkarte ein. Alles sinnvoll. Aber würden Sie zusätzlich fünf große Steine in Ihren Rucksack legen, nur weil diese seit Ihrer Kindheit herumliegen? Vermutlich kaum. Im Alltag schleppen wir trotzdem gelegentlich Überzeugungen mit uns herum, die uns längst nicht mehr unterstützen. „Ich muss immer alles richtig machen.“ „Ich darf niemanden enttäuschen.“ „Auf mein eigenes Urteil kann ich mich nicht verlassen.“ Solche inneren Regeln können unsere Entscheidungen beeinflussen, ohne dass wir sie jedes Mal bewusst bemerken. Deshalb lohnt es sich, den persönlichen Rucksack gelegentlich auszupacken. Welche Erfahrungen und Überzeugungen helfen mir? Was möchte ich bewahren? Welche alten Vorstellungen darf ich überprüfen? Natürlich lassen sich belastende Erlebnisse nicht einfach wie Steine aus einem Rucksack werfen. Aber wir können lernen, anders mit ihren Auswirkungen umzugehen. Und dabei dürfen wir durchaus auch Schätze entdecken: wertvolle Erfahrungen, persönliche Stärken und Fähigkeiten, die unser Bauchgefühl bereichern.
Sie müssen Ihr Unterbewusstsein weder zum alleinigen Geschäftsführer ernennen noch sämtliche spontanen Entscheidungen verbieten. Viel hilfreicher ist es, beide Seiten besser zusammenarbeiten zu lassen. Der Bauch liefert Eindrücke, der Kopf überprüft sie. Und bei wichtigen Entscheidungen dürfen ruhig beide ein Wörtchen mitreden. Die folgenden fünf Praxistipps helfen Ihnen, intuitive Bewertungen bewusster wahrzunehmen, mögliche Denkfehler zu erkennen und Entscheidungen sicherer zu treffen. Ganz ohne romantische Excel-Tabelle.
1) Den ersten Eindruck bewusst wahrnehmen.
Oft haben wir schon eine spontane Meinung, bevor wir uns ausführlich mit einer Situation beschäftigt haben. Nehmen Sie diesen Eindruck wahr, ohne ihn gleich für die Wahrheit zu halten. Fragen Sie sich, welche Gefühle, Erwartungen oder Erinnerungen beteiligt sein könnten. So gewinnen Sie Informationen über Ihre eigene Wahrnehmung. Unsere Praxistipps:
• „Was sagt mir mein erster Eindruck?“
• „Welche Gefühle löst diese Entscheidung bei mir aus?“
• „Woran erinnert mich diese Situation?“
• „Welche konkreten Beobachtungen unterstützen mein Bauchgefühl?“
• „Was könnte ich möglicherweise übersehen haben?“
2) Erfahrung von bloßer Gewohnheit unterscheiden.
Intuition ist besonders wertvoll, wenn sie auf einschlägiger Erfahrung beruht. Wer über Jahre ähnliche Situationen erlebt und brauchbare Rückmeldungen erhalten hat, erkennt manchmal Zusammenhänge sehr schnell. Prüfen Sie deshalb, wie gut Sie sich im jeweiligen Bereich tatsächlich auskennen. Vertrautheit allein beweist noch keine Kompetenz. Unsere Praxistipps:
• „Habe ich in vergleichbaren Situationen bereits Erfahrungen gesammelt?“
• „Wie zuverlässig waren meine früheren Einschätzungen?“
• „Welche Informationen fehlen mir noch?“
• „Von wem könnte ich eine fachkundige zweite Meinung erhalten?“
3) Gefühle und Tatsachen getrennt betrachten.
Ein gutes Gefühl kann die Entscheidung erleichtern. Trotzdem lohnt sich ein Blick auf überprüfbare Fakten. Besonders bei größeren Anschaffungen, langfristigen Verpflichtungen oder wichtigen Lebensentscheidungen sollten wesentliche Informationen nicht fehlen. Vergleichen Sie deshalb Ihre emotionale Bewertung mit den tatsächlichen Bedingungen. Unsere Praxistipps:
• „Welche drei Tatsachen sprechen für diese Entscheidung?“
• „Welche möglichen Nachteile sollte ich berücksichtigen?“
• „Welche Kosten oder Verpflichtungen entstehen langfristig?“
• „Würde ich mich ebenso entscheiden, wenn ich weniger begeistert wäre?“
• „Welche Informationen müsste ich vor einer Zusage noch überprüfen?“
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Warum der Verstand nicht alles weiß: weil oft der Bauch die Regie übernimmt.
Repro aus unseren Seminarunterlagen.
Symbolbild: TELOS
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4) Dem Bauch eine zweite Chance geben.
Manche Entscheidungen verlangen zunächst eine gründliche Beschäftigung mit den Möglichkeiten. Danach kann es hilfreich sein, etwas Abstand zu gewinnen und den eigenen Eindruck nochmals zu prüfen. Das bedeutet keineswegs, dass unser Gehirn in der Zwischenzeit heimlich die perfekte Lösung errechnet. Aber mit etwas Abstand fallen uns manchmal neue Gesichtspunkte auf. Unsere Praxistipps:
• Nach einer gründlichen Abwägung einen Spaziergang unternehmen.
• Eine wichtige Entscheidung nach einer Nacht nochmals betrachten.
• Bewusst unterscheiden, was Sie wissen und was Sie lediglich vermuten.
• Nach einer Pause prüfen, welche Alternative sich weiterhin stimmig anfühlt.
5) Aus Entscheidungen für die Zukunft lernen.
Unser Bauchgefühl kann durch Erfahrungen dazulernen, wenn wir brauchbare Rückmeldungen erhalten. Überprüfen Sie deshalb gelegentlich frühere Entscheidungen. Was hat sich bewährt? Wo haben Sie sich getäuscht? Und welche Informationen hätten Sie damals berücksichtigen sollen? So entwickeln Sie mit der Zeit ein realistischeres Vertrauen in Ihre eigene Urteilskraft. Unsere Praxistipps:
• Eine wichtige Entscheidung und ihre Beweggründe kurz notieren.
• Nach einiger Zeit prüfen, welche Erwartungen tatsächlich eingetroffen sind.
• Gelungene intuitive Entscheidungen bewusst wahrnehmen.
• Aus Fehleinschätzungen konkrete Erkenntnisse für künftige Entscheidungen ableiten.
• Eigene Vorlieben überdenken, wenn neue Erfahrungen dagegensprechen.
Wie gut kennen wir die tatsächlichen Gründe unserer Entscheidungen? Und wann sollten wir der Intuition vertrauen? Solche Fragen beschäftigen Psychologen und Entscheidungsforscher weltweit seit Jahrzehnten. In Experimenten vergleichen sie spontane Urteile mit ausführlichen Analysen, untersuchen unsere Fähigkeit zur Selbstauskunft und prüfen den Einfluss von Erfahrung auf die Entscheidungsqualität. Drei besonders interessante Ergebnisse verdeutlichen, warum bewusste Überlegungen und unbewusste Bewertungen manchmal hervorragend zusammenarbeiten und sich gelegentlich gegenseitig behindern.
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Wie suchen sich Braut und Bräutigam aus?
Wie entscheiden, wie handeln wir Menschen?
Foto: TELOS
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Jeder Bergwanderer packt sich Essen und Trinken in den Rucksack und einen Wetterschutz, doch keine Steine. Warum sollen wir also im Alltag Unerledigtes mitschleppen? Also: Ballast hinter uns lassen, Rucksack ausleeren, Ungewünschtes wegwerfen, überprüfen, was wir wirklich mitnehmen wollen, was uns wichtig ist, was uns weiterhilft, unseren Zielen näherbringt. Haben wir auf diese Weise aufgeräumt, ist unser Unterbewusstes ein guter Ratgeber, dem wir ruhig vertrauen können, bei der Brautschau genau wie sonst im Leben.
Klar müssen wir in die Kindheit schauen, um eingeübte Verhaltensmuster loszuwerden. Richtig, gestern ist heute. Aber heute ist vorne! Und wer den Kopf nur nach hinten wendet, bekommt auf Dauer Nackenstarre. Also, Blick in die Gegenwart!
Dazu haben wir das Arbeitsbuch „Vom Gestern ins Heute“ entwickelt. Die 28-seitige Broschüre aus unserer Homelearning-Reihe bringt Bilder, Texte und Arbeitsblätter, die zur persönlichen Reflexion und bewussteren Lebensgestaltung anregen. Dabei geht es um eine Frage, die uns immer wieder beschäftigt: Was aus meiner bisherigen Lebensgeschichte möchte ich weiterhin mitnehmen, und was darf ich künftig anders machen? Ersetzen Sie Altes durch Neues und polen Sie Ihre Energie um: vom Grübeln an das Gestern in die Freude des Heute:
Rolands Erfahrungen und unser augenzwinkernder Brautschau-Test machen eines deutlich: Wir entscheiden oft vielschichtiger, als wir glauben. Spontane Sympathien, Gefühle und vertraute Bewertungen beeinflussen unsere Wahl. Gleichzeitig können wir Informationen sammeln, Argumente prüfen und unsere ersten Eindrücke hinterfragen. Unser Bauchgefühl kann dabei ein wertvoller Ratgeber sein. Besonders dann, wenn es auf umfangreicher Erfahrung beruht. Doch auch die Intuition kann sich irren, Vorurteile übernehmen oder wichtige Informationen übersehen. Deshalb lohnt sich eine vernünftige Zusammenarbeit zwischen Kopf und Bauch. Wir dürfen spontane Eindrücke ernst nehmen, sollten sie bei wichtigen Entscheidungen aber an der Wirklichkeit überprüfen. Manchmal braucht es gründliches Nachdenken, manchmal etwas Abstand und gelegentlich einfach den Mut, eine Entscheidung zu treffen.
Die Kunst besteht darin, zu erkennen, wann wir unserem Bauch vertrauen können – und wann der Kopf noch einmal genauer hinschauen sollte.
Gute Entscheidungen kann man trainieren. TELOS – das Institut für Psychologie & Wirtschaft – verbindet seit über 30 Jahren psychologisches Fachwissen mit praxisnahen Methoden. In Seminaren, Beratungen und Coachings unterstützen wir Menschen dabei, persönliche Entscheidungsmuster zu erkennen, vorschnelle Bewertungen zu überprüfen und mehr Sicherheit bei wichtigen Entscheidungen zu gewinnen. Praktische Übungen, individuell abgestimmte Lernschritte und die Kontrolle konkreter Fortschritte helfen, Erkenntnisse im Alltag umzusetzen. Hier zwei besonders bewährte Hilfen aus unserem „Medizinschrank“:


Kontaktieren Sie uns einfach, alles Weitere besprechen wir dann persönlich – kostenlos, unverbindlich und diskret! Mag. Magdalena Gasser Welche Frage können wir Ihnen jetzt beantworten?

Institutsleitung | Personalentwicklung | Coaching
Nisbett, Richard E. & Wilson, Timothy D. (1977). Telling More Than We Can Know: Verbal Reports on Mental Processes. Psychological Review, 84(3), 231–259. Zentrale Aussage: Menschen können wichtige Einflüsse auf ihre Entscheidungen und Bewertungen übersehen und trotzdem überzeugende Erklärungen dafür liefern. Bewusste Selbstauskünfte geben deshalb nicht immer vollständig Auskunft über die tatsächlichen Entscheidungsprozesse.
Wilson, Timothy D. & Schooler, Jonathan W. (1991). Thinking Too Much: Introspection Can Reduce the Quality of Preferences and Decisions. Journal of Personality and Social Psychology, 60(2), 181–192. Zentrale Aussage: Zwei Experimente zeigten, dass die ausführliche Analyse eigener Vorlieben unter bestimmten Bedingungen zu Bewertungen führen kann, die weniger gut mit Expertenurteilen übereinstimmen. Die Wirkung bewusster Überlegungen hängt somit auch von der Art der Aufgabe ab.
Dane, Erik, Rockmann, Kevin W. & Pratt, Michael G. (2012). When Should I Trust My Gut? Linking Domain Expertise to Intuitive Decision-Making Effectiveness. Organizational Behavior and Human Decision Processes, 119(2), 187–194. Zentrale Aussage: In zwei Experimenten erwiesen sich intuitive Entscheidungen besonders dann als wirksam, wenn Versuchspersonen über umfangreiche einschlägige Erfahrung verfügten. Die Qualität intuitiver Urteile hängt somit wesentlich vom jeweiligen Fachwissen und der Art der Entscheidung ab.