slide one

Gestern ist heute: Schatten von gestern

Der Dampfkochtopf im Kopf

Öffnen Sie die Fenster Ihres seelischen Kellers!

Schatten von gestern und Licht von heute

Was wir verdrängen, verschwindet nicht immer. Was wir verstehen, kann seine Macht verlieren.

Keller auf, unangenehme Erinnerung hinein, Deckel zu. Wunderbar! Wenn unsere Psyche so einfach funktionieren würde wie eine Abstellkammer, hätten wir manche Sorge längst entsorgt. Doch manchmal melden sich alte Gefühle ausgerechnet dann zurück, wenn wir sie am wenigsten brauchen. Warum können Erfahrungen aus der Kindheit noch Jahrzehnte später nachwirken? Und wie werden wir mit diesen Schatten von gestern besser fertig, ohne ständig in der Vergangenheit herumzustochern?

Wie schwer wiegt Ihr seelisches Reisegepäck?

Jeder Mensch trägt seine persönliche Lebensgeschichte mit sich. Schöne Erinnerungen, wertvolle Erfahrungen, überstandene Schwierigkeiten und manchmal auch Ereignisse, an die er lieber nicht mehr denken möchte. Der tschechische Autor Pavel Kosorin wird mit einem bemerkenswerten Satz zitiert: „Wer keinen Schatten wirft, lebt wahrscheinlich im Dunkeln.“ Tatsächlich haben wir alle Seiten, die wir weniger gerne zeigen. Vielleicht erinnern wir uns ungern an eine peinliche Niederlage, einen schmerzhaften Streit oder eine Kindheitssituation, in der wir uns hilflos und ausgeliefert fühlten. Solche Erinnerungen können auch Jahre später unangenehme Gefühle auslösen.

Was tun wir dann? Wir wechseln das Thema, lenken uns ab oder versuchen, möglichst schnell an etwas anderes zu denken. Kurzfristig kann das durchaus vernünftig sein. Schließlich müssen wir nicht jede unangenehme Erinnerung sofort ausführlich bearbeiten. Das Leben findet heute statt, und unsere Aufmerksamkeit wird auch für angenehmere Dinge gebraucht.

Problematisch kann es werden, wenn wir über längere Zeit immer mehr Situationen, Gedanken oder Gefühle vermeiden, weil sie uns an etwas Belastendes erinnern. Dann schrumpft möglicherweise unser persönlicher Handlungsspielraum. Die Vergangenheit bekommt ausgerechnet dadurch zusätzlichen Einfluss, dass wir ihr um jeden Preis ausweichen möchten.

•


Was im Dunkeln bleibt, wuchert bloß, aber heilt nicht!
Repro aus unseren Seminarunterlagen.
Symbolbild: TELOS

•

Keller auf, Schatten rein, Deckel zu?

Stellen Sie sich vor, Sie haben im Keller eine Kiste mit unangenehmen Erinnerungen stehen. Darin liegt die Kränkung durch einen Lehrer, daneben die Angst vor einem wütenden Elternteil, ein Stück weiter die Scham über einen Fehler und ganz unten der schmerzhafte Abschied von einem geliebten Menschen. Alles ordentlich verstaut. Bloß nicht öffnen!

Die Kiste ist natürlich eine Metapher. Unsere Erinnerungen werden im Gehirn keineswegs wie Gegenstände in einem Keller gelagert. Trotzdem beschreibt das Bild etwas, das viele Menschen kennen: Wir möchten bestimmte Gedanken und Gefühle lieber aus unserem Bewusstsein fernhalten. Manchmal gelingt das sogar erstaunlich gut. Doch wer ständig darauf achtet, etwas auf keinen Fall zu denken, beschäftigt sich möglicherweise erst recht damit.
Schon der berühmte Versuch, auf keinen Fall an einen rosa Elefanten zu denken, führt viel eher zu einem hartnäckig wiederkehrenden Bild dieses rosaroten Elfanten. Wir können nicht etwas nicht denken!

Dabei ist eine wichtige Unterscheidung notwendig. Die bewusste Unterdrückung eines Gedankens, das Verbergen eines Gefühls und die psychologische Verdrängung sind unterschiedliche Vorgänge. Auch belastende Erinnerungen verschwinden keineswegs automatisch aus unserem Bewusstsein, nur weil wir sie vermeiden. Und umgekehrt bedeutet eine schwierige Kindheitserfahrung nicht zwangsläufig, dass im Verborgenen ein psychisches Problem heranwächst.
Die Frage lautet deshalb weniger: „Was steckt alles in meinem Keller?“, sondern vielmehr: „Welche Gedanken, Gefühle oder Erinnerungen beeinflussen mein heutiges Leben, und wie möchte ich künftig mit ihnen umgehen?“

•

Negative Gedanken loslassen
Wir können nicht etwas NICHT denken!

Der rosarote Elefant aus unserem Testlabor.
Symbolbild: TELOS

•

Reisegepäck, Dampfkochtopf und Deckeldruck:

In unserem seelischen Rucksack tragen wir oft genug auch Schatten von gestern mit. Diese wiegen schwer, doch tun wir alle alles, um sie ja nicht sehen zu müssen. Verdrängen funktioniert doch so gut – zumindest eine Weile. Erst im Laufe der Lebensjahre stellt sich heraus, dass ins Unbewusste verdrängte Ereignisse oder Gefühle im Verborgenen wachsen und wuchern und dabei in Wirklichkeit immer stärker werden. Verdrängen löst also nichts wirklich, sondern bringt erst recht Probleme. Ereignisse, gegen die wir uns als Kind nicht wehren konnten, verbotene Seiten in uns, die wir seit unserer Kindheit zu verstecken gelernt haben, um weiterhin Mamas braves Mädchen oder Papas guter Junge bleiben zu können … all das wollen wir nicht mehr wissen, nicht länger sehen. Viele glauben, sie könnten ihre Schatten von gestern so lösen: weg in den Keller und Deckel zu. Doch immer mehr unserer verfügbaren Kraft müssen wir dazu verwenden, den Deckel fest drauf zu halten. Und immer weniger Energie und Lebensfreude bleiben uns übrig.

Wenn die Gefühle unter Druck geraten

Wir sind ärgerlich, lächeln aber freundlich. Wir haben Angst, geben uns betont gelassen. Wir sind verletzt, behaupten jedoch, alles sei bestens. Solches Verhalten kann im Alltag manchmal sinnvoll sein. Wer sich beispielsweise über einen unfreundlichen Kunden ärgert, muss diesem nicht sofort seine gesamte Gefühlswelt präsentieren. Ein wenig Selbstbeherrschung kann Wunder wirken. Wenn wir allerdings ständig so tun, als hätten wir überhaupt keine unangenehmen Gefühle, wird es schwieriger.

Denn ein unterdrückter Gesichtsausdruck bedeutet noch lange nicht, dass auch die entsprechende Emotion verschwunden ist. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass Menschen emotionale Reaktionen äußerlich verbergen können, während die innere Erregung bestehen bleibt. Es gibt also einen erheblichen Unterschied zwischen dem bewussten Regulieren von Gefühlen und dem Versuch, sie grundsätzlich nicht wahrhaben zu wollen.

Wer seine Gefühle erkennt, kann entscheiden, wie er angemessen damit umgehen möchte. Wer sie ständig übergeht, bemerkt möglicherweise erst spät, dass etwas nicht stimmt. Und dann wundert man sich über die eigene schlechte Laune. Dabei hat der innere Dampfkochtopf längst angefangen zu pfeifen.

Mamas braves Mädchen und Papas guter Junge

Schon in unserer Kindheit lernen wir, welche Gefühle und Verhaltensweisen in unserer Umgebung erwünscht sind. Vielleicht freuen sich die Eltern besonders, wenn wir brav, freundlich und hilfsbereit sind. Vielleicht reagieren sie ärgerlich, wenn wir widersprechen, weinen oder unseren eigenen Willen durchsetzen möchten. So entstehen persönliche Erfahrungen darüber, was wir zeigen dürfen und was wir besser für uns behalten.

Stellen wir uns beispielsweise ein Mädchen vor, das immer wieder hört: „Sei lieb und mach keinen Ärger!“ Es lernt möglicherweise, Konflikte zu vermeiden und eigene Bedürfnisse zurückzustellen. Als Erwachsene fällt es dieser Frau vielleicht schwer, Nein zu sagen. Sie hilft anderen, übernimmt zusätzliche Aufgaben und ärgert sich irgendwann darüber, dass niemand ihre Grenzen respektiert. Oder nehmen wir einen Jungen, der für seine Tränen ausgelacht wurde. Vielleicht versucht er später, Verletzlichkeit um jeden Preis zu vermeiden, und reagiert auf unangenehme Gefühle lieber mit Rückzug oder Gereiztheit.

Natürlich entwickeln sich Menschen sehr unterschiedlich. Aus denselben Erziehungserfahrungen können keineswegs bei allen Kindern die gleichen Verhaltensweisen entstehen. Außerdem beeinflussen spätere Beziehungen, persönliche Eigenschaften und neue Erfahrungen unsere Entwicklung.

Wegschauen mit Nebenwirkungen

Es lohnt sich, die eigenen Vorstellungen über Gefühle gelegentlich zu überprüfen. Wer hat mir beigebracht, dass Wut gefährlich ist? Warum fällt es mir schwer, Schwäche zu zeigen? Und weshalb glaube ich, immer stark sein zu müssen? Manche Antworten liegen tatsächlich in unserer frühen Lebensgeschichte. Andere ergeben sich aus Erfahrungen, die wir erst viel später gemacht haben. Dabei sollten wir vorsichtig mit schnellen Erklärungen sein. Eine heftige Reaktion beweist keineswegs, dass irgendwo eine verdrängte Kindheitserinnerung verborgen liegt. Vielleicht sind wir übermüdet, gestresst oder tatsächlich ungerecht behandelt worden. Vielleicht gibt es auch einen ganz aktuellen Grund für unsere Reaktion. Hilfreich ist deshalb eine offene Betrachtung:

  • Was ist gerade tatsächlich geschehen?
  • Was habe ich empfunden?
  • Und weshalb könnte mich diese Situation besonders beschäftigt haben?

Schon diese Fragen schaffen manchmal Abstand. Wir müssen unsere Gefühle nicht bekämpfen und auch nicht sofort ihre gesamte Entstehungsgeschichte entschlüsseln. Es kann genügen, sie wahrzunehmen und bewusster zu entscheiden, wie wir reagieren möchten.

•

Atemarbeit Holotropes Atmen Schmerz Frau Schrei / Foto: TELOS - 13776bg
Starke Gefühle benötigen achtsame professionelle Begleitung!
Szene aus einem unserer Seminare.
Foto: TELOS

•

Schatten con gestern anschauen, aber bitte achtsam!

Ist es nötig, sämtliche schmerzhaften Kindheitserlebnisse noch einmal durchleben, um endlich frei davon zu werden. Am besten möglichst intensiv, mit großen Gefühlen und einer ordentlichen Portion Tränen, damit der ganze Ballast endlich herauskommt? Vorsicht! Psychologische Veränderung funktioniert nicht automatisch nach dem Motto: Je schmerzhafter die Erinnerung, desto größer der Erfolg. Und nicht immer müssen wir verborgene Erinnerungen aufspüren, um mit heutigen Schwierigkeiten besser umgehen zu lernen.

Vor allem ein ein unbegleitetes, zu intensives Beschäftigen mit belastenden Inhalten kann überfordern, gerade bei traumatischen Erfahrungen. Hilfreicher ist häufig ein behutsamer Umgang. Wir können lernen, Gefühle genauer zu benennen, hilfreiche Gedanken zu entwickeln und die eigene Reaktion auf schwierige Situationen zu verändern. Manchmal unterstützen bereits kleine Veränderungen im Alltag. Bei stärkeren oder anhaltenden Beschwerden sind psychotherapeutische Verfahren sinnvoll und sollten ausschließlich von qualifizierten Psychotherapeuten begleitet sein.


Mit Umsicht statt mit Presslufthammer!

Wichtig ist dabei das richtige Tempo. Wer gerade unter erheblichem Stress steht, braucht möglicherweise zunächst Sicherheit, Stabilisierung und Entlastung. Der Blick auf die Vergangenheit darf helfen. Er sollte nicht zu einer zusätzlichen Belastung werden. Es gibt auch Situationen, in denen Ablenkung eine ausgesprochen gute Strategie ist. Wenn Sie gerade einen wichtigen Termin haben, müssen Sie nicht gleichzeitig sämtliche Sorgen Ihrer Kindheit analysieren. Auch nach einer belastenden Erfahrung kann es zunächst sinnvoll sein, sich zu beruhigen, Unterstützung zu suchen und den Alltag wieder zu stabilisieren.

Überlassen Sie alten Erinnerungen nicht die Regie über Ihren Alltag!

Etwas anderes geschieht, wenn wir unser Leben dauerhaft nach der Vermeidung unangenehmer Gefühle ausrichten. Vielleicht besuchen wir bestimmte Orte nicht mehr, führen notwendige Gespräche nicht oder verzichten auf neue Erfahrungen, weil dabei unangenehme Erinnerungen auftauchen könnten. So können belastende Gefühle zunehmend darüber bestimmen, was wir tun und lassen. Ein hilfreicher Umgang besteht deshalb oft darin, bewusst zu entscheiden, wann wir uns einem Thema zuwenden und wann wir es vorerst ruhen lassen. Wir dürfen Gefühle zulassen, ohne ihnen ständig nachzugeben. Wir dürfen uns mit Erfahrungen beschäftigen, ohne endlos darüber zu grübeln. Und wir dürfen unsere Aufmerksamkeit auf das richten, was uns heute wichtig ist. Die entscheidende Frage lautet:

Hilft mir meine bisherige Strategie, mein Leben so zu gestalten, wie ich es möchte?
Oder bezahlt meine Gegenwart inzwischen eine ziemlich hohe Rechnung für etwas, das längst vergangen ist?

Praxistipps für die Schatten von gestern: Licht an, Keller lüften!

Sie brauchen keinen seelischen Großeinsatz mit Presslufthammer und Schaufel, um alte Belastungen besser zu verstehen. Oft beginnt Veränderung mit kleinen Beobachtungen im Alltag. Welche Gefühle übergehen Sie regelmäßig? Welche Gedanken drängen sich immer wieder auf? Und welche Verhaltensweisen würden Sie gerne verändern? Die folgenden fünf Praxistipps helfen Ihnen, mit unangenehmen Erinnerungen und Gefühlen bewusster umzugehen, ohne ständig in der Vergangenheit herumzugraben. Schließlich wollen wir mehr Lebensqualität gewinnen und keine archäologische Dauerausgrabung veranstalten.

1) Gefühle beim Namen nennen.
Manchmal spüren wir nur, dass etwas unangenehm ist. Ein Schatten von gestern? Fragen Sie sich genauer, welches Gefühl dahintersteht. Ärger, Traurigkeit, Scham, Angst oder Enttäuschung brauchen möglicherweise unterschiedliche Antworten. Schon das bewusste Benennen kann helfen, Abstand zu gewinnen und überlegter zu handeln. Unsere Praxistipps:
• „Ich bin gerade enttäuscht, weil ich mir mehr Unterstützung gewünscht habe.“
• „Diese Bemerkung hat mich verletzt.“
• „Ich bin unsicher, weil die Situation neu für mich ist.“
• „Ich ärgere mich darüber, dass meine Grenze übergangen wurde.“

2) Dem Gedanken einen Platz geben.
Wenn Sie einen unangenehmen Gedanken, einen Schatten von gestern unbedingt loswerden möchten, kann er besonders hartnäckig zurückkehren. Probieren Sie deshalb einen anderen Umgang: Nehmen Sie wahr, dass der Gedanke gerade auftaucht, und entscheiden Sie bewusst, worauf Sie Ihre Aufmerksamkeit richten möchten. Sie müssen nicht jedem Gedanken hinterherlaufen. Unsere Praxistipps:
• „Da ist wieder diese alte Sorge.“
• „Ich nehme den Gedanken wahr und konzentriere mich jetzt auf meine Aufgabe.“
• „Für dieses Thema reserviere ich mir später bewusst etwas Zeit.“
• „Ich darf an etwas Unangenehmes denken, ohne sofort darauf reagieren zu müssen.“

3) Mit etwas Abstand zurückblicken.
Bei belastenden Erinnerungen verlieren wir manchmal den Überblick, weil wir innerlich wieder mitten im Geschehen stecken. Versuchen Sie, eine überschaubare Alltagssituation aus etwas größerer Entfernung zu betrachten. Fragen Sie sich, was geschehen ist und wie Sie heute darauf schauen möchten. Bei traumatischen Erinnerungen ist fachliche Begleitung ratsam. Unsere Praxistipps:
• „Wie würde ich diese Situation als unbeteiligter Beobachter beschreiben?“
• „Was würde ich einer guten Freundin in dieser Lage sagen?“
• „Was weiß ich heute, das ich damals noch nicht wusste?“
• „Welche Erkenntnis kann ich für ähnliche Situationen mitnehmen?“

4) Alte Überzeugungen überprüfen.
Manche persönlichen Regeln haben wir vor vielen Jahren gelernt. Das sind Schatten Schatten von gestern! Vielleicht waren sie damals verständlich, passen heute aber nur noch schlecht zu unserem Leben. Prüfen Sie, ob eine vertraute Überzeugung tatsächlich allgemein gilt oder ob Sie inzwischen andere Möglichkeiten haben. So können neue Entscheidungen entstehen. Unsere Praxistipps:
• „Ich darf um Hilfe bitten, auch wenn ich früher alles alleine schaffen musste.“
• „Ein Fehler bedeutet nicht, dass ich als Mensch versagt habe.“
• „Ich kann freundlich widersprechen und meine Meinung vertreten.“
• „Ich darf mich über einen Erfolg freuen, ohne ihn kleinzureden.“
• „Ich kann meine Bedürfnisse ernst nehmen und andere respektieren.“

5) Heute bewusst anders handeln.
Neue Erkenntnisse werden besonders wertvoll, wenn wir sie im Alltag ausprobieren. Wählen Sie eine vertraute Situation, in der Sie bisher automatisch reagiert haben. Überlegen Sie, welche kleine Veränderung möglich wäre. Beginnen Sie mit einem überschaubaren Schritt und achten Sie darauf, welche Erfahrungen Sie damit machen. Unsere Praxistipps:
• Bei einer kleinen Meinungsverschiedenheit ruhig die eigene Sichtweise äußern.
• Eine bisher vermiedene, gut bewältigbare Aufgabe bewusst angehen.
• Nach einem Fehler freundlich und sachlich mit sich selbst sprechen.
• Eine wichtige persönliche Grenze klar formulieren.
• Nach einer gelungenen Veränderung festhalten, was diesmal geholfen hat.

•

Frau ernst denken schreiben / Foto: TELOS - D4510
Erkennen, was hilfreich ist und Fortschitte notieren!
Schnappschuss bei einem unserer Seminare
Foto: TELOS

•

Wer’s genau wissen will: wissenschaftliche Fakten zum Verdrängen und Loslassen

Was passiert, wenn wir einen Gedanken unbedingt vermeiden wollen? Hilft es, Gefühle zu verbergen? Und wie können wir über schmerzhafte Erfahrungen nachdenken, ohne immer wieder im selben Grübelkreis zu landen? Psychologen untersuchen solche Fragen seit Jahrzehnten mit kontrollierten Experimenten und systematischen Beobachtungen. Dabei unterscheiden sie bewusstes Gedankenunterdrücken, das Zurückhalten emotionaler Reaktionen und die Verarbeitung belastender Erinnerungen. Drei Untersuchungen liefern besonders interessante Antworten.

  • Verbotene Gedanken kommen manchmal zurück. In einem bekannten Experiment sollten Versuchspersonen fünf Minuten lang möglichst wenig an einen weißen Bären denken. Anschließend zeigte sich: Wer den Gedanken zuvor unterdrückt hatte, beschäftigte sich in der folgenden Phase häufiger damit als Personen, die von Anfang an an den Bären denken durften. Ein weiteres Experiment stützte diesen Befund und zeigte, dass gezielte gedankliche Ablenkung den Effekt abschwächen konnte. Die Untersuchungen belegen, dass absichtliches Gedankenunterdrücken unter bestimmten Bedingungen nach hinten losgehen kann. Sie beweisen jedoch nicht, dass verdrängte Kindheitserfahrungen zwangsläufig stärker werden.
  • Gefühle verstecken lässt sie nicht verschwinden. In einem kontrollierten Experiment sahen 85 Erwachsene einen unangenehmen Film. Ein Teil sollte seine Gefühle äußerlich möglichst vollständig verbergen. Tatsächlich zeigten diese Personen weniger sichtbare emotionale Reaktionen. Das subjektive Gefühlserleben veränderte sich dadurch jedoch nicht. Gleichzeitig beobachteten die Forscher unterschiedliche körperliche Veränderungen, darunter Hinweise auf eine stärkere Aktivierung bestimmter Stressreaktionen. Das Experiment verdeutlicht: Wer seine Gefühle äußerlich beherrscht, hat sie innerlich keineswegs automatisch bewältigt. Ob das Verbergen sinnvoll ist, hängt von der jeweiligen Situation ab.
  • Mit Abstand nachdenken kann Grübeln erleichtern. In zwei Experimenten untersuchten Wissenschaftler, wie Menschen belastende Erfahrungen betrachten. Einige sollten sich gedanklich erneut mitten in die Situation versetzen, andere sie aus größerer innerer Distanz analysieren. Die distanzierte Betrachtung führte zu weniger niedergeschlagener Stimmung und förderte eine veränderte Bewertung des Erlebten. In einer Untersuchung zeigten sich auch nach einem beziehungsweise sieben Tagen günstigere Ergebnisse hinsichtlich wiederkehrender Gedanken. Die Befunde betreffen bestimmte experimentelle Aufgaben und lassen sich nicht ohne Weiteres auf schwere traumatische Erfahrungen übertragen.
Die Schatten von gestern dürfen bleiben – wir gehen trotzdem ins Licht!

Unsere Lebensgeschichte besteht aus hellen und dunklen Erfahrungen. Beides gehört zu uns. Wir können angenehme Erinnerungen bewahren, aus schwierigen Situationen lernen und persönliche Überzeugungen überprüfen, die uns heute wenig nützen. Dabei müssen wir keineswegs jede Kindheitserinnerung ausführlich analysieren oder sämtliche alten Verletzungen aufarbeiten. Viel wichtiger ist, ob wir im gegenwärtigen Leben ausreichend Freiheit besitzen, unsere eigenen Entscheidungen zu treffen. Wer ständig unangenehmen Gefühlen ausweicht, schränkt möglicherweise seinen Handlungsspielraum ein. Wer dagegen lernt, Gefühle wahrzunehmen, Gedanken einzuordnen und passende Reaktionen auszuwählen, kann neue Möglichkeiten entdecken.

Schauen Sie hin, wenn Wegschauen Sie nicht weiterbringt!

Dafür braucht es manchmal Geduld, gelegentlich Mut und mitunter professionelle Unterstützung. Auch belastende Erfahrungen lassen sich nicht einfach wegdenken. Doch viele Menschen können ihren Umgang damit verbessern. Entscheidend ist die Unterscheidung zwischen hilfreicher Selbstregulation und dauerhafter Vermeidung. Gelegentlich Abstand zu gewinnen, kann sinnvoll sein. Schwieriger wird es, wenn die Angst vor bestimmten Gefühlen immer mehr Bereiche unseres Lebens einschränkt. Dann lohnt es sich, genauer hinzuschauen und gegebenenfalls fachliche Unterstützung in Anspruch zu nehmen. Und wenn wieder einmal ein Schatten auftaucht? Dann dürfen wir ihn anschauen, prüfen, was er uns sagen könnte, und anschließend unseren Weg fortsetzen. Schließlich soll unsere Vergangenheit zu unserer Lebensgeschichte gehören dürfen, ohne ständig unseren Tagesablauf zu bestimmen.

•

Schatten der Vergangenheit
Bild: Verdrängen hilft nix, Wegschauen bringt keinen Schatten zum Verschwinden. Erst Hinschauen, anschauen kann Erlösung bringen!
Foto: TELOS

•

Die Schatten von gestern: anschauen, bearbeiten und befreien!

Psychische Probleme können wir oft jahrelang mit uns herumtragen, immer in der Meinung es würde sich schon irgendwie von selbst lösen. Tut es aber nicht. Besser also, wir schauen uns solche verdrängte Seiten unserer Seele an, diese dunklen Schatten von gestern, mit einem ganz klaren Ziel: um das Totgeschwiegene endlich „erlösen“ zu können! Klar: Nichts unserer Vergangenheit können wir ungeschehen machen, wohl aber können wir lernen, damit umzugehen! Mit dem Ziel, es loszulassen und endlich ein freies, auf aktive Gegenwart gegründetes und erfülltes Leben führen zu können – zu unserem eigenen Nutzen und zum Wohle aller, die mit uns zu tun haben.

Neue Zuversicht entwickeln statt in den Schatten von gestern stecken bleiben!

Einen bewussteren Umgang mit belastenden Gefühlen und alten Reaktionsmustern kann man lernen. TELOS – das Institut für Psychologie & Wirtschaft – verbindet seit über 30 Jahren psychologisches Fachwissen mit praxisorientierten Methoden. Bei manchen Beschwerden ist qualifizierte Psychotherapie der geeignete Weg. In unseren Seminaren, Trainings und Coachings erleben wir immer wieder, wie Menschen beispielsweise ihre Gefühle klarer benennen, persönliche Grenzen besser vertreten und schwierige Situationen gelassener bewältigen können. Individuelle Übungen, maßgeschneiderte Lernschritte und die Überprüfung konkreter Fortschritte unterstützen die Umsetzung im Alltag. Hier einige besonders bewährte Hilfen aus unserem „Medizinschrank“:

Schild Hilfe Wirbel Strudel Wasser Meer / Foto und Grafik: TELOS - 05834bSo helfen unsere persönlichen Beratungen & Coachings  >>

Spannende Seminare zu Persönlichkeit und Sicherheit  >>

Welche Frage können wir Ihnen jetzt beantworten?

Kontaktieren Sie uns einfach, alles Weitere besprechen wir dann persönlich – kostenlos, unverbindlich und diskret!

Mag. Magdalena Gasser
Institutsleitung | Personalentwicklung | Coaching

Quellenhinweise: Auswahl an wissenschaftlichen Veröffentlichungen zum Thema

Wegner, Daniel M., Schneider, David J., Carter, Samuel R. III & White, Teri L. (1987). Paradoxical Effects of Thought Suppression. Journal of Personality and Social Psychology, 53(1), 5–13. Zentrale Aussage: Zwei Experimente zeigten, dass die absichtliche Unterdrückung eines bestimmten Gedankens dessen späteres Auftreten verstärken kann. Gezielte Ablenkung durch einen alternativen Gedanken konnte diesen Effekt in der Untersuchung abschwächen.
Gross, James J. & Levenson, Robert W. (1993). Emotional Suppression: Physiology, Self-Report, and Expressive Behavior. Journal of Personality and Social Psychology, 64(6), 970–986. Zentrale Aussage: In einem kontrollierten Experiment mit 85 Erwachsenen reduzierte das bewusste Verbergen emotionaler Reaktionen deren sichtbaren Ausdruck, veränderte jedoch das subjektive Gefühlserleben nicht. Gleichzeitig zeigten sich unterschiedliche körperliche Veränderungen.
Kross, Ethan & Ayduk, Özlem (2008). Facilitating Adaptive Emotional Analysis: Distinguishing Distanced-Analysis of Depressive Experiences From Immersed-Analysis and Distraction. Personality and Social Psychology Bulletin, 34(7), 924–938. Zentrale Aussage: Zwei Experimente zeigten, dass eine distanzierte Betrachtung belastender persönlicher Erfahrungen die emotionale Verarbeitung unterstützen kann. Gegenüber einer stark selbstbezogenen Betrachtung waren niedergeschlagene Stimmung und wiederkehrende Gedanken teilweise geringer.