
Tauschen Sie Wortgeklingel gegen Kopfkino!
„Wir müssen unsere strategischen Synergiepotenziale proaktiv optimieren!“ Aha. Alles klar? Oder haben Sie gerade geistig abgeschaltet? Kein Wunder! Manche Redner produzieren Wortnebel, gegen den selbst die Londoner Herbstsuppe harmlos wirkt. Dabei können Worte wahre Wunder vollbringen: Sie lassen Bilder entstehen, wecken Gefühle und machen selbst trockene Themen lebendig. Bildhafte Sprache schaltet das Kopfkino Ihrer Zuhörer ein. Eintritt frei!
Stellen Sie sich vor, Ihr Chef verkündet: „Unsere betriebliche Liquiditätssituation erfordert eine zeitnahe Kostenoptimierung.“ Klingt wichtig. Klingt kompliziert. Klingt nach einer dringenden Kaffeepause. Jetzt sagt er stattdessen: „Unser Geldbeutel bekommt langsam Atemnot. Wenn wir nicht gegensteuern, wird’s eng.“ Plötzlich verstehen alle, worum es geht. Beide Aussagen behandeln dasselbe Problem. Doch die zweite bringt Farbe ins Spiel. Sie verwandelt einen abstrakten Sachverhalt in eine konkrete Vorstellung. Und genau darin liegt die besondere Kraft bildhafter Sprache.
Unser Denken arbeitet gerne mit Vorstellungen, Erfahrungen und vertrauten Bildern. Wir können uns einen schweren Rucksack vorstellen, eine offene Tür, einen steinigen Weg oder ein Fass, das überläuft. Solche Bilder helfen uns, komplexe Gedanken mit Bekanntem zu verbinden. Sie können Aufmerksamkeit gewinnen, Zusammenhänge verdeutlichen und Erinnerungen einen Anker geben.
Das funktioniert im Geschäftsleben ebenso wie am Familientisch. Ein Verkäufer beschreibt ein kompliziertes Produkt. Eine Führungskraft erklärt eine Veränderung. Ein Vater versucht seinem pubertierenden Sohn klarzumachen, warum Verantwortung wichtig ist. Drei völlig unterschiedliche Situationen, dieselbe Herausforderung: Wie bringe ich meine Botschaft so rüber, dass mein Gegenüber wirklich etwas damit anfangen kann? Die Antwort: Geben Sie Ihren Worten Farbe, Form und Leben! Nutzen Sie Vergleiche, Metaphern, anschauliche Beispiele und kleine Geschichten. Allerdings mit Maß und Ziel. Wer in jedem zweiten Satz ein sprachliches Feuerwerk zündet, riskiert einen ordentlichen rhetorischen Flächenbrand.
Der Unterschied zwischen dem richtigen Wort und dem beinahe richtigen
ist derselbe Unterschied wie zwischen dem Blitz und dem Glühwürmchen.
Mark Twain (1835–1910), US-amerikanischer Schriftsteller und Humorist.
Sie brauchen keine poetische Ader, keinen Literaturpreis und auch keine heimliche Karriere als Märchenerzähler. Bildhafte Sprache lässt sich lernen! Schon kleine Veränderungen können eine trockene Aussage in eine lebendige Botschaft verwandeln. Entscheidend ist, dass Ihre Bilder zur Situation, zu Ihren Zuhörern und zum Inhalt passen. Hier kommen fünf einfache Techniken, die Sie sofort ausprobieren können. Vorsicht: Ansteckungsgefahr!
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Menschen denken in Bildern!
Szene aus einem unserer Seminare
Foto: TELOS
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Abstrakte Begriffe sind praktische Verpackungen für komplizierte Gedanken. Leider kann sich darunter jeder etwas anderes vorstellen. Machen Sie deshalb aus Begriffen wie Veränderung, Zusammenarbeit oder Verantwortung konkrete Bilder. Suchen Sie nach Situationen und Gegenständen, die Ihre Zuhörer kennen. Je vertrauter das Bild, desto leichter gelingt der gedankliche Zugang.
So wird aus Wortnebel ein klares Bild:
Statt „Wir müssen unsere Ressourcen schonen“: „Unser Akku ist fast leer. Wir müssen unsere Kräfte besser einteilen.“
Statt „Wir brauchen mehr Transparenz“: „Alle sollen sehen können, welche Karten auf dem Tisch liegen.“
Statt „Die Zusammenarbeit funktioniert nicht“: „Bei uns rudern fünf Leute in unterschiedliche Richtungen.“
Statt „Wir müssen Prioritäten setzen“: „Wir müssen nicht jeden Ball, der uns zugeworfen wird, sofort auffangen.“
Statt „Die Verzögerung der Umsetzung der Maßnahmenplanung bremst bei der Zielerreichung“: „Auf die lange Bank schieben bringt nix!“
Statt „Die Verwendung von bildhaften Formulierungen erleichtert die Verständlichkeit in den Gehirnen der Anwesenden“: „Reden ist Malen mit Worten im Kopf anderer Leute.“
Ein treffender Vergleich kann einen komplizierten Sachverhalt mit einem einzigen Satz verständlich machen. Besonders gut eignen sich alltägliche Erfahrungen. Vergleichen Sie beispielsweise eine Unternehmensentwicklung mit einer Bergtour oder ein Team mit einer Mannschaft. Entscheidend ist, dass der Vergleich tatsächlich etwas erklärt. Hübsche Worte allein bringen wenig.
Vier Vergleiche mit Wirkung:
„Ein gutes Team funktioniert wie ein Orchester: Jeder beherrscht sein Instrument, aber erst gemeinsam entsteht Musik.“
„Eine Veränderung ist wie eine Bergtour. Wer nur den Gipfel anschaut, übersieht die nächsten zehn Meter.“
„Eine Kundenbeziehung ist wie ein Garten. Ohne regelmäßige Pflege wächst irgendwann vor allem Unkraut.“
„Lernen ist wie Muskeltraining. Einmal ins Fitnessstudio gehen macht noch keinen Schwarzenegger.“
Menschen hören gerne Geschichten. Schließlich wachsen wir damit auf, lange bevor wir die erste PowerPoint-Präsentation ertragen müssen. Nutzen Sie kurze Erlebnisse aus dem Berufsleben, Alltag oder eigenen Erfahrungen. Eine gute Geschichte hat eine erkennbare Ausgangssituation, eine überraschende Wendung und eine klare Botschaft. Verzichten Sie auf überflüssige Details. Schließlich halten Sie keine dreibändige Familienchronik.
So können Sie Ihre Botschaft in eine Geschichte verpacken:
Über Kundenorientierung: „Ein Kunde rief kurz vor Feierabend an. Wir hätten ihn vertrösten können. Stattdessen haben wir sein Problem gelöst. Drei Wochen später kam sein nächster Auftrag.“
Über Vorurteile: „Ich hielt den neuen Kollegen anfangs für ausgesprochen unfreundlich. Bis ich erfuhr, dass er gerade eine schwere Zeit durchmachte.“
Über Veränderung: „Als meine Großmutter ihr erstes Smartphone bekam, wollte sie es zurückgeben. Heute verschickt sie mehr Nachrichten als ihre Enkel.“
Über Zusammenarbeit: „Beim letzten Familienfest wollten sieben Leute gleichzeitig das Abendessen organisieren. Am Ende gab es drei Salate, fünf Nachspeisen und kein Brot.“
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Bilder für bildhafte Sprache finden sich überall!
Bilderreigen mit einem vielverwendeten Zitat unseres Institutsgründers „Kreativität ist ein Kind der Freiheit“
Graffitto an einer Mauer in Deutschland, Repro: TELOS
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Zahlen wirken sachlich und präzise. Aber was bedeuten 25.000 Stunden, 15 Prozent oder 400.000 Euro für den einzelnen Zuhörer? Übersetzen Sie große und abstrakte Zahlen in vertraute Größenordnungen. Ein zusätzlicher Vergleich kann eine Zahl greifbarer machen. Achten Sie dabei auf korrekte Berechnungen. Sonst wird aus dem anschaulichen Beispiel schnell eine hübsch verpackte Mogelpackung.
So bringen Sie Leben in Ihre Zahlen:
Statt „Damit verlieren wir täglich 20 Minuten“: „Im Jahr heißt das fast zwei volle Arbeitswochen Mehrarbeit!“
Statt „Unsere Fehlerquote beträgt fünf Prozent“: „Bei 1000 Aufträgen im Jahr müssen wir 50 Jobs aufwendig nachbearbeiten.“
Statt „Wir sparen jährlich 12.000 Euro“: „Das entspricht 1.000 Euro jeden Monat, die wir für andere Aufgaben einsetzen können.“
Statt „Wir erreichen 10.000 Menschen“: „Denken Sie an ein Fußballstadion mit 10.000 vollbesetzten Plätzen: So viele Menschen erreichen wir!“
Statt „Der Mond ist von der Erde 384.400 km entfernt“: „Der Mond ist von der Erde so weit entfernt, wie von Bozen nach Berlin: und zwar 450 mal Bozen-Berlin! Dazu müssten wir 4500 Stunden ununterbrochen fahren, über ein halbes Jahr lang ohne Nachtanken, ohne Pause. Ganz schön weit, oder?“
Ein Bild wird besonders lebendig, wenn wir beim Zuhören etwas sehen, hören, riechen oder beinahe spüren können. Nutzen Sie deshalb konkrete Beschreibungen. Sprechen Sie von klappernden Tastaturen, duftendem Kaffee oder einem eiskalten Wind statt nur von allgemeinen Eindrücken. Aber übertreiben Sie es nicht. Das Publikum soll Ihre Botschaft erleben und keinen sprachlichen Zuckerschock erleiden.
Vier kleine Ausflüge ins Kopfkino:
Statt „Das Restaurant war OK“: „Kerzen auf den Tischen, der Duft nach frischem Brot.“
Statt „Im Büro herrscht Hektik“: „Die Telefone klingeln, die Drucker stöhnen und drei Kollegen reden gleichzeitig.“
Statt „Die Sitzung war unangenehm“: „Nach seiner Bemerkung wurde es still, man hörte die Wanduhr ticken.“
Statt „Der Erfolg war groß“: „Als das Ergebnis verkündet wurde, sprangen alle auf und klatschten.“
Statt „Während ich Überlegungen anstelle betreffs des vermehrt nachgefragten Prinzips der bildhaften Formulierungen trinke ich Kaffee“: „Während ich überlege, wie ich in Bildern spreche, schlürfe ich gerade meinen frischen Kaffee.“
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Bildhaft sprechen heißt: weg mit dem blassen Oberbegriff, her mit dem konkreten, farbigen Ausdruck!
Schnappschuss aus einer Arbeitspause auf der TELOS-Terrasse
Bild: TELOS
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Mit Sprachbildern kann man wunderbar erklären, begeistern und überzeugen. Man kann allerdings auch grandios danebenliegen. Manche Vergleiche hinken so erbärmlich, dass sie dringend einen Rollstuhl brauchen. Andere sind längst abgenutzt, widersprechen sich oder passen überhaupt nicht zur Botschaft. Besonders gefährlich wird es, wenn der Redner von seiner eigenen sprachlichen Brillanz derart begeistert ist, dass er die Zuhörer vergisst. Drei klassische Fehlgriffe sollten Sie vermeiden.
Das Problem: Manche Redner lieben Metaphern so sehr, dass kein Satz ohne sprachliche Verzierung auskommt. Da werden neue Wege beschritten, Segel gesetzt, Berge versetzt und Horizonte erweitert. Nach fünf Minuten sind die Zuhörer seekrank und höhenkrank zugleich.
Typische Situationen: Motivationsreden voller abgedroschener Lebensweisheiten, Unternehmenspräsentationen mit einer Bilderflut oder Vorträge, bei denen jede Kleinigkeit zum großen Abenteuer aufgeblasen wird.
Besser so: Setzen Sie Sprachbilder gezielt ein. Ein treffendes Bild an der richtigen Stelle wirkt stärker als zehn mittelmäßige Vergleiche. Besonders wichtige Botschaften verdienen eine anschauliche Formulierung. Der Rest darf ruhig in normalem Deutsch daherkommen. Das ist völlig legal!
Das Problem: Ein Vergleich soll etwas erklären. Wenn er unpassend oder widersprüchlich ist, verwirrt er mehr, als er hilft. Besonders originell wird es, wenn in einem einzigen Satz völlig unterschiedliche Bilder miteinander vermischt werden.
Typische Situationen: „Wir müssen jetzt das Ruder herumreißen und den Zug auf die richtige Spur bringen.“ Oder: „Diese Idee ist der Grundstein, auf dem unser Unternehmen endlich Fahrt aufnehmen kann.“ Ein Schiff, ein Zug und ein Haus? Viel Vergnügen beim Nachdenken!
Besser so: Bleiben Sie innerhalb eines Bildes. Wenn Sie eine Mannschaft als Orchester beschreiben, sprechen Sie anschließend von Zusammenspiel und Harmonie statt plötzlich vom Fußballtor. Prüfen Sie außerdem, ob das Bild wirklich zum Inhalt passt. Nicht alles, was sich hübsch anhört, ergibt auch Sinn.
Das Problem: Eine Geschichte kann wunderbar unterhalten und trotzdem an der eigentlichen Botschaft vorbeiführen. Der Redner schildert ein lustiges Urlaubserlebnis, erzählt von seiner Jugend oder berichtet ausführlich über seinen Hund. Das Publikum lacht. Aber was sollte die Geschichte eigentlich vermitteln?
Typische Situationen: Führungskräfte, die mit Anekdoten beeindrucken möchten, Verkäufer mit ausufernden Erlebnisberichten oder Festredner, die von einer Geschichte in die nächste stolpern.
Besser so: Fragen Sie sich vor jeder Geschichte: „Welche Botschaft soll bei meinen Zuhörern ankommen?“ Erzählen Sie nur die Details, die dafür wichtig sind. Und schlagen Sie am Ende den Bogen zum Thema. Eine gute Geschichte darf unterhalten. Sie sollte aber auch etwas zu sagen haben.
Geben Sie Ihren Gedanken Flügel: eine gute Botschaft verdient Worte, die etwas auslösen. Bilder, Vergleiche und Geschichten helfen dabei, aus abstrakten Gedanken anschauliche Vorstellungen zu machen. Ein schwerer Rucksack verdeutlicht eine Belastung, ein Orchester das Zusammenspiel im Team und ein kleines Alltagserlebnis macht aus einer allgemeinen Behauptung eine nachvollziehbare Erfahrung.
Entscheidend ist, dass Ihre Sprachbilder verständlich bleiben. Wählen Sie Vergleiche aus der Lebenswelt Ihrer Zuhörer, übersetzen Sie Zahlen in greifbare Größenordnungen und erzählen Sie kurze Geschichten mit einer erkennbaren Aussage. Nutzen Sie konkrete Beschreibungen, wenn Sie eine Situation lebendig machen möchten.
Und bitte behalten Sie bei aller Begeisterung den Boden unter den Füßen! Ein Bild muss zur Botschaft passen. Drei widersprüchliche Metaphern machen noch keine brillante Rede, und eine spannende Geschichte ohne Pointe ist manchmal einfach nur lang.
Probieren Sie es aus: Nehmen Sie einen Satz, den Sie häufig verwenden, und verwandeln Sie ihn in eine anschauliche Aussage. Sie werden staunen, wie viel Leben plötzlich in ganz gewöhnlichen Worten steckt.
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Bildhafte Sprache macht Ihre Rede klarer, verständlicher, überzeugender!
Schnappschuss bei einem Videofeedback in unserem Seminar „Rhetorik für Profis“.
Foto: TELOS
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Bildhafte Sprache bringt Gedanken zum Leben. Metaphern, Vergleiche, konkrete Beispiele und kurze Geschichten machen Botschaften verständlicher und lebendiger. Entscheidend ist das passende Bild – und die richtige Dosis!
Bildhaftes Sprechen lässt sich gezielt entwickeln. In den TELOS-Seminaren, Trainings und Coachings üben Teilnehmende beispielsweise, komplexe Sachverhalte anschaulich zu erklären, Kundengespräche lebendiger zu gestalten und Präsentationen mit treffenden Vergleichen aufzuwerten. TELOS verbindet seit über 30 Jahren psychologisches Know-how mit aktuellen Methoden, maßgeschneiderten Trainings und gezielter Lernerfolgskontrolle. Damit aus schönen Worten überzeugende Botschaften werden.


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Mag. Magdalena Gasser
Institutsleitung | Personalentwicklung | Coaching