
Weg mit unnützen Ängsten!
Sie kennen das: Jemand hat die bessere Idee, ein anderer verkauft seine mittelmäßige Idee besser – und bekommt den Zuschlag. Fachkompetenz und Fleiß sind wichtig. Im Berufsleben entscheidet aber auch, wer sich etwas zutraut, Position bezieht und sichtbar wird. Unsicherheit kann Karriere, Führung und Geschäft bremsen. Höchste Zeit also, dem inneren Angsthasen gelegentlich einen Löwen entgegenzustellen.
Fachwissen allein garantiert noch keinen beruflichen Erfolg. Menschen müssen ihre Kompetenz auch zeigen können: im Meeting das Wort ergreifen, Entscheidungen vertreten, Kunden überzeugen, Verantwortung übernehmen, Grenzen setzen oder einer Führungskraft widersprechen.
Psychologisch spielt dabei die sogenannte Selbstwirksamkeit eine wichtige Rolle: Wer darauf vertraut, schwierige Situationen durch eigenes Handeln bewältigen zu können, geht Herausforderungen eher an und bleibt bei Widerständen eher dran. Unsicherheit dagegen begünstigt Vermeidung. Man hält sich zurück, obwohl man etwas zu sagen hätte. Man sagt Ja, obwohl ein Nein nötig wäre. Oder man überlässt anderen die Bühne.
Selbstsicherheit ist deshalb weit mehr als angenehmes Beiwerk. Sie beeinflusst Kommunikation, Entscheidungsverhalten, Führung und berufliche Entwicklung.
Mut bedeutet im Berufsleben nicht, angstfrei durch die Gegend zu marschieren. Ein gewisses Maß an Anspannung macht uns aufmerksam und kann sogar leistungsfördernd sein. Problematisch wird es, wenn Unsicherheit unsere Entscheidungen übernimmt. Unsere fünf Strategien helfen, den eigenen Handlungsspielraum zu erweitern – Schritt für Schritt, ohne sich vor einem brüllenden Bürolöwen zu fürchten. Und ohne plötzlich selbst einer zu werden!
Unsicherheit ist häufig situationsabhängig. Der eine präsentiert locker vor 100 Menschen, bekommt aber beim Gespräch mit dem Chef weiche Knie. Eine andere verhandelt Millionenbudgets und drückt sich vor einem Konflikt im eigenen Team. Beobachten Sie deshalb genau, wann Sie sich zurückhalten. Wer seine Muster kennt, kann gezielt daran arbeiten. Positive Praxisbeispiele:
– Im Meeting eine eigene Idee früh einbringen.
– Einen kritischen Punkt gegenüber dem Vorgesetzten ansprechen.
– Bei unrealistischen Forderungen eines Kunden nachfragen.
– Eine unangenehme Entscheidung nicht länger aufschieben.
– Im Mitarbeitergespräch ein schwieriges Thema offen ansprechen.
Unser Gehirn reagiert nicht nur auf reale Gefahren, sondern auch auf erwartete. „Was, wenn ich mich blamiere?“ kann körperlich erstaunlich wirksam werden, obwohl objektiv niemand mit dem Säbel hinter uns steht. Prüfen Sie deshalb nüchtern: Was kann tatsächlich passieren? Und wie wahrscheinlich ist das? Positive Praxisbeispiele:
– „Was wäre wirklich die schlimmste realistische Folge?“
– Eine kritische Rückfrage als Interesse statt Angriff interpretieren.
– Zwischen einem Fehler und persönlichem Versagen unterscheiden.
– Einen Widerspruch im Meeting als normale Diskussion betrachten.
– Vor einer Präsentation Fakten statt Katastrophenfantasien sammeln.
Wer sich immer nur in sicheren Situationen bewegt, trainiert vor allem eines: Vermeidung. Selbstsicherheit wächst durch bewältigte Erfahrungen. Beginnen Sie deshalb mit kleinen Herausforderungen und steigern Sie den Schwierigkeitsgrad. Das Gehirn sammelt neue Beweise: „Ich kann das.“ Genau solche Erfolgserfahrungen stärken die Selbstwirksamkeit. Positive Praxisbeispiele:
– Im nächsten Meeting mindestens einmal das Wort ergreifen.
– Eine eigene Idee präsentieren, bevor sie perfekt ausgearbeitet ist.
– Freundlich Nein zu einer zusätzlichen Aufgabe sagen.
– Ein schwieriges Telefonat selbst führen statt weiterleiten.
– Bei einer Entscheidung klar die eigene Empfehlung aussprechen.
Selbstsicherheit entsteht nicht nur im Kopf. Gute Vorbereitung reduziert Unsicherheit. Überlegen Sie vor einem anspruchsvollen Gespräch: Was will ich erreichen? Welche Einwände könnten kommen? Was ist mein wichtigstes Argument? Wo liegt meine Grenze? Wer seine Position kennt, muss sie unter Druck nicht erst suchen. Positive Praxisbeispiele:
– Vor einer Verhandlung drei Kernargumente notieren.
– Einen kritischen Einwand vorab durchspielen.
– Für ein Mitarbeitergespräch das gewünschte Ergebnis formulieren.
– Vor dem Meeting einen klaren Kernsatz vorbereiten.
– Eine mögliche Nein-Antwort laut üben.
Fragen Sie sich bei einer Situation, vor der Sie zurückschrecken: Wie würde ich handeln, wenn ich mich jetzt vollkommen sicher fühlen würde? Nicht größenwahnsinnig, nicht rücksichtslos – einfach ruhig, klar und selbstbewusst. Dieser Perspektivwechsel kann helfen, den Blick von der Angst auf mögliche Handlungen zu lenken. Probieren Sie die neue Reaktion zunächst gedanklich und anschließend in einer realen Situation aus. Positive Praxisbeispiele:
– Die eigene Meinung ruhig aussprechen.
– Eine berechtigte Forderung stellen.
– Ein klares Nein formulieren.
– Verantwortung für eine schwierige Aufgabe übernehmen.
– Nach einem Rückschlag einen neuen Versuch starten.

In unserer Broschüre „Ängste loslassen“ finden Sie den Löwentest und weitere Übungen. Sie können damit eigene Unsicherheiten analysieren und neue Handlungsmöglichkeiten ausprobieren.
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Warum halten kompetente Menschen im entscheidenden Moment den Mund, obwohl sie genau wissen, was zu tun wäre? Unser Sicherheitsbedürfnis liebt vertrautes Terrain. Ablehnung, Kritik oder die Möglichkeit zu scheitern bewertet das Gehirn dagegen schnell als Bedrohung. So entstehen Vermeidungsstrategien, die kurzfristig angenehm sind. Beruflich können sie auf Dauer teuer werden.
„Wenn ich mich sicherer fühle, mache ich es.“ Klingt vernünftig, hat nur einen Haken: Wer schwierige Situationen konsequent vermeidet, sammelt keine neuen Erfahrungen. Die Unsicherheit bekommt dadurch regelmäßig bestätigt, dass die Situation offenbar tatsächlich gefährlich sein muss. Typisch ist das bei Präsentationen, Konfliktgesprächen, Verhandlungen oder neuen Führungsaufgaben.
Besser: Beginnen Sie in kleinen Schritten. Handeln Sie trotz einer gewissen Unsicherheit und sammeln Sie positive Erfahrungen. Mut kommt erstaunlich oft erst nach dem ersten Schritt.
Noch eine Folie. Noch eine Analyse. Noch eine Nacht darüber schlafen. Perfektionismus kann fachlichen Anspruch ausdrücken – manchmal tarnt er aber schlicht die Angst, sich festzulegen und beurteilt zu werden. Besonders Führungskräfte und Fachkräfte können sich damit hervorragend beschäftigen, ohne tatsächlich ins Handeln zu kommen.
Besser: Definieren Sie vorher, wann eine Vorbereitung gut genug ist. Treffen Sie Entscheidungen mit den verfügbaren Informationen und korrigieren Sie bei Bedarf. Im Wirtschaftsleben gewinnt selten derjenige, der bis 2037 an der perfekten PowerPoint arbeitet.
Selbstsicherheit bedeutet nicht, immer das letzte Wort zu haben. Dominanz, Lautstärke und demonstrative Härte können sogar Unsicherheit kaschieren. Wirklich souverän wirkt, wer zuhören, widersprechen, Grenzen setzen und Fehler eingestehen kann, ohne dabei persönlich ins Wanken zu geraten. Typisch problematisch wird das in Führung, Konflikten und Verhandlungen.
Besser: Kombinieren Sie Klarheit mit Respekt. Vertreten Sie Ihre Position deutlich und bleiben Sie offen für bessere Argumente. Ein Löwe muss schließlich auch nicht den ganzen Tag brüllen, damit alle wissen, dass er da ist.

Wollen Sie warten, bis der Löwe vor Ihnen steht, oder bereiten Sie sich rechtzeitig vor?!
Tele-Aufnahme geschossen während eines Werbefilms in Nairobi für ein einheimisches Unternehmen
Foto: TELOS
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Selbstsicherheit entscheidet nicht allein über beruflichen Erfolg. Fachkompetenz, Leistung, Erfahrung, soziale Fähigkeiten, Rahmenbedingungen und manchmal schlicht der richtige Zeitpunkt spielen ebenfalls eine Rolle. Trotzdem beeinflusst die innere Sicherheit, ob wir vorhandene Kompetenzen tatsächlich einsetzen und sichtbar machen.
Wer sich wenig zutraut, vermeidet eher anspruchsvolle Aufgaben, hält Ideen zurück, lässt Grenzen überschreiten oder überlässt Entscheidungen anderen. Wer dagegen Vertrauen in die eigene Handlungsfähigkeit entwickelt, kann Herausforderungen aktiver angehen. Genau hier liegt die Stärke des Löwentests: Er verschiebt die Aufmerksamkeit von „Was könnte schiefgehen?“ zu „Wie könnte ich handeln?“
Dabei geht es nicht darum, jede Angst zu bekämpfen. Angst kann ein wichtiges Warnsignal sein. Bei realen Gefahren sollten wir sie ernst nehmen. Berufliche Unsicherheiten entstehen jedoch häufig dort, wo keine unmittelbare Gefahr besteht: vor Kritik, Ablehnung, einem möglichen Fehler oder der Reaktion anderer. Hier lohnt sich der Realitätscheck.
Fragen Sie sich deshalb öfter: Was würde ich tun, wenn ich meiner Kompetenz in diesem Moment etwas mehr vertrauen würde? Vielleicht sprechen Sie einen Konflikt früher an. Vielleicht präsentieren Sie eine Idee, obwohl sie noch nicht bis zur letzten Kommastelle abgesichert ist. Vielleicht sagen Sie einem wichtigen Kunden freundlich Nein. Genau solche kleinen Schritte erweitern den persönlichen Handlungsspielraum.
Souveränes Auftreten wächst durch Übung, Reflexion und konkrete Erfahrungen. Professionelle Weiterbildung kann diesen Prozess beschleunigen, weil schwierige Situationen gezielt vorbereitet, ausprobiert und ausgewertet werden können. TELOS begleitet seit über 30 Jahren Führungskräfte, Unternehmer und Mitarbeitende bei der Entwicklung persönlicher und kommunikativer Kompetenzen. Mit aktuellen psychologischen Methoden, maßgeschneiderten Trainings und klarer Lernerfolgskontrolle arbeiten wir an den Situationen, die im jeweiligen Unternehmen tatsächlich zählen. Kunden erleben beispielsweise, dass sie in Meetings früher Position beziehen, schwierige Mitarbeitergespräche klarer führen, bei Kundenforderungen konsequenter Grenzen setzen oder neue Aufgaben mit mehr Sicherheit übernehmen. Der Löwe muss dabei nicht zum Haustier werden. Es reicht völlig, wenn er im entscheidenden Moment auftaucht.


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Mag. Magdalena Gasser
Institutsleitung | Personalentwicklung | Coaching