
Warum in jedem Ende ein neuer Anfang liegt.
Dezember, bald ist das Jahr zu Ende. Gute Gelegenheit für Reflexion und Rückschau – mit einem kleinen Zeitsprung. Wie war es heuer zum Sommerende? Erinnern Sie sich: letzter Tag am Meer, morgen geht’s wieder nach Hause, an die Arbeit, in den Alltag. Abschied und Neubeginn … Abschied von der Bucht, vom Gefühl der Unbeschwertheit, vom Urlaub. Ach, wie schön war’s doch, ach wie schade, dass es zu Ende ist, ach könnt‘ doch immer Urlaub sein. Immer Urlaub? Wär‘ das wirklich erstrebenswert? Da müssten es doch die Arbeitslosen und Pensionisten am schönsten haben – ist das wirklich so, oder ist es nicht genau umgekehrt?
Dazu eine kleine, wahre Geschichte aus der Zeit, als unser Institutsgründer seinen Arbeitsplatz im Überetsch hatte und in der warmen Jahreszeit häufig über Mittag zum Zwecke der Entspannung und geistigen Inspiration an den nahe gelegenen Badesee radelte. Dort gab es eine Rentnerrunde, die mehr oder weniger den ganzen Sommer am See verbrachte, weniger mit Schwimmen, mehr mit Kartenspielen. Man kannte sich, man grüßte sich. Eines Freitags, die Mittagspause ging zu Ende, wünschte der Autor dieses Beitrages beim Abschied ein schönes Wochenende. Empört kam es aus der Altherrenrunde: „Wünschen Sie nie einem Pensionisten ein schönes Wochenende – wir haben die ganze Woche Wochenende, das ganze Jahr!“
Wir Menschen schätzen vor allem das, was uns nicht immer zur Verfügung steht. Die Psychologie spricht hier vom Kontrastprinzip: Wir empfinden Dinge umso intensiver, je seltener oder gegensätzlicher sie zu unserer normalen Erfahrung sind. Nach dem Fasten schmeckt Brot besser als Kuchen. Nach einer Woche Regen sehnen wir uns nach der Sonne – und nach langer Hitze begrüßen wir den ersten Regenschauer.
Urlaub wünschen wir uns meistens dann, wenn wir gerade bei der Arbeit sind. Sonnenschein, wenn es regnet, Winter im heißen Sommer … Das Gesetz der Polarität besagt, dass immer alles 2 Seiten hat, die untrennbar miteinander verbunden sind, ja die sie erst gegenseitig ermöglichen. In Europa sprechen wir von Sommer und Winter – in tropischen Ländern herrscht immer dieselbe Temperatur, da gibt es weder Winter noch Sommer. Dafür haben die vielleicht Trockenzeit und Regenzeit. Wir kennen das Wort „Tag“ nur weil wir auch die Nacht kennen, satt sind wir nur, weil wir manchmal auch hungrig sind, und wach fühlen wir uns nur, weil wir (manchmal) geschlafen haben. Unsere Welt lebt von Polaritäten: Tag und Nacht, Anspannung und Entspannung, Nähe und Distanz, Arbeit und Urlaub. Das eine gibt dem anderen seinen Sinn. So ziehen sich diese Polaritäten durch alles, was wir kennen, heiß-kalt, Angst-Mut, Hass-Liebe, nass-trocken, Mann-Frau, alt-jung, gesund-krank, Geburt-Tod … und eben auch Urlaub und Alltag, Abschied und Neubeginn.
So betrachtet ist es nicht nur gut, sondern auch notwendig, dass der Alltag wieder begonnen hat, denn erst dieser Alltag mit Beruf, Schule, Pflichten und dem ganzen Rest, erst diese Seite der Polarität ermöglicht auch die andere: den nächsten Urlaub. Denn jedes Ende ist ein neuer Anfang, jeder Abschied öffnet die Tür zum Neubeginn!

Bild: Die Sonne muss heute untergehen, damit morgen ein neuer Tag beginnen kann.
Jeder Ferientag muss einmal zu Ende gehen, damit irgendwann ein neuer Urlaub beginnen kann.
Foto: TELOS
Doch was, wenn der Alltag dauerhaft zu schwer wiegt? Wenn Sie sich überarbeitet fühlen, ausgenutzt, erschöpft? Wenn Ihre Seele kaum noch zum Atmen kommt? Dann reicht der gelegentliche Urlaub nicht aus. Psychologische Studien zeigen, dass chronischer Stress und das permanente Zurückstellen eigener Bedürfnisse zu ernsthaften Problemen führen können: Schlafstörungen, Reizbarkeit, Leistungseinbrüche – bis hin zum Burnout. Die Lösung? Bringen Sie Urlaub in den Alltag! Sorgen Sie für kleine Momente des Innehaltens, für tägliche Inseln der Freude. Achtsamkeit, Dankbarkeit und der gezielte Blick auf das Positive haben nachgewiesenermaßen starke Auswirkungen auf unser Wohlbefinden.
Unsere Energie folgt unserer Aufmerksamkeit. Wer ständig Mängel und Probleme sieht, verstärkt sie. Wer hingegen bewusst auf Schönes und Gutes blickt, stärkt Zuversicht, Leichtigkeit und Resilienz. Schon einfache Fragen am Tagesbeginn oder -ende können Ihre Wahrnehmung verändern:
• Worauf freue ich mich heute?
• Was ist mir gut gelungen?
• Wofür bin ich dankbar?
Diese gezielte Steuerung der Aufmerksamkeit fördert die sogenannte „positiv-affektive Grundhaltung“, die eng mit psychischer Gesundheit verknüpft ist.
Wenn Sie merken, dass Sie sich trotz vieler Bemühungen immer noch erschöpft fühlen, überarbeitet, ausgenutzt, wenn Sie sich vielleicht manchmal fragen, ob das immer gleich weiter gehen wird, wenn Ihre Seele mehr braucht, mehr als ein bisschen Urlaub, dann sollten Sie wirklich einen entscheidenden Schritt nach vorne tun. Konkrete, anwendbare Hilfen für wichtige Bereiche und echte Verbesserung der eigenen Situation finden Sie am besten mit professioneller Unterstützung. Es wäre ja um jeden Tag schade! Hier zwei ganz besonders bewährte Hilfen aus unserem Medizinkasten:


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Mag. Magdalena Gasser
Institutsleitung | Personalentwicklung | Coaching
