
Die drei Schritte zu einem neuen Umgang mit belastenden Situationen.
Ein kritischer Satz des Vorgesetzten – und wir gehen sofort in Verteidigung. Ein Kollege widerspricht – und wir werden ungewohnt gereizt. Im Meeting fühlen wir uns übergangen – und ziehen uns zurück, obwohl wir eigentlich etwas Wichtiges sagen wollten. Häufig beschreiben unsere Seminarteilnehmer berufliche Situationen, die ihnen immer wieder passieren und die sie als besonders belastend erleben. Ein Gespräch in der Gruppe zeigt aber rasch, dass dieselbe Situation für andere Teilnehmende völlig normal ist und kaum Stress auslöst. Warum reagieren Menschen auf dieselbe Situation so unterschiedlich? Eine Antwort gibt der Blick auf unsere Erfahrungen. Vieles, was wir heute automatisch tun, haben wir im Laufe unseres Lebens gelernt. Manche Verhaltensmuster waren früher durchaus sinnvoll, können uns heute im Beruf aber im Weg stehen. Erst wenn wir solche Automatismen erkennen, können wir bewusst anders handeln. Und genau dabei hilft die „innere Alarmanlage“.
So erzählt zum Beispiel Helga, eine 40-jährige Abteilungsleiterin aus Meran – bitte haben Sie Verständnis, dass wir Namen, Ort und Details geändert haben –, dass sie im Beruf immer wieder Schwierigkeiten mit Autoritätspersonen erlebt. Kritisiert ihr Vorgesetzter eine ihrer Entscheidungen, beschäftigt sie das oft noch lange danach. Obwohl die Kritik sachlich gemeint war, beginnt sie an ihrer Kompetenz zu zweifeln. Beim nächsten Gespräch ist sie bereits angespannt, formuliert vorsichtiger und konzentriert sich stärker darauf, keinen Fehler zu machen, als darauf, ihre Position überzeugend zu vertreten.
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Bild: Polizeikontrolle am Attersee – alle lachen, trotz Blaulicht.
Aufnahme aus einem Modeshooting für eine Trachtenfirma in Österreich
Foto: TELOS
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Auf den ersten Blick scheint das nicht weiter tragisch. Doch aus solchen Reaktionen kann eine allgemeine Verunsicherung entstehen: Ist das, was ich gerade mache, wirklich richtig? Was denkt mein Vorgesetzter darüber? Darf ich widersprechen? Was passiert, wenn ich einen Fehler mache? Das Ergebnis: Wir konzentrieren uns nicht mehr auf unsere Kompetenzen und unsere Aufgabe, sondern darauf, was wir alles falsch machen könnten. Das kostet Energie und kann unsere Leistungsfähigkeit, Entscheidungsfreude und Kommunikation beeinträchtigen. Kennen Sie solche Situationen aus Ihrem Berufsalltag? Eine kritische Bemerkung, ein bestimmter Tonfall oder ein Konflikt ist für andere vielleicht eine Kleinigkeit – bei Ihnen aber steigt der Puls, Sie können nicht mehr klar denken, ziehen sich zurück oder reagieren viel heftiger, als Sie eigentlich möchten. Genau hier kann die innere Alarmanlage helfen.
Was tun? Zwei Warnleuchten bilden die innere Alarmanlage. Beide können Ihnen helfen, automatische Verhaltensmuster frühzeitig zu erkennen:
Alarmleuchte 1: Die Situation kommt Ihnen bekannt vor: „Hoppla, jetzt passiert mir das schon wieder!“ Vielleicht geraten Sie immer wieder mit demselben Typ Mensch aneinander, fühlen sich in Meetings übergangen oder reagieren auf Kritik regelmäßig mit Rückzug oder Rechtfertigung. Leider leuchtet diese Warnlampe anfangs häufig erst nachträglich auf.
Alarmleuchte 2: Sie bemerken, dass Ihre Reaktion nicht ganz zum Anlass passt. Sie reagieren deutlich stärker oder emotionaler, als die Situation eigentlich verlangt. Vielleicht spüren Sie die Reaktion auch körperlich: Der Puls steigt, der Atem wird flacher, die Muskeln spannen sich an. Mit etwas Übung können Sie diese Signale immer früher wahrnehmen.
Beide Alarmleuchten können darauf hinweisen, dass gerade ein vertrautes Verhaltensmuster anspringt. Und genau diese Erkenntnis schafft die Möglichkeit, nicht automatisch zu reagieren, sondern bewusst zu entscheiden.

Bild: Alarm, hier stimmt was nicht!
Aufnahme aus unserer Symbolbibliothek, Foto: TELOS
Die Frage für Helga könnte also lauten: Warum löst gerade die Kritik einer Führungskraft bei mir eine so starke Reaktion aus? In welchen früheren Situationen habe ich etwas Ähnliches erlebt? Und vor allem: Welche Möglichkeiten habe ich heute? Entscheidend ist nicht, lange in der Vergangenheit zu verharren. Der Blick zurück soll vielmehr helfen, das heutige Verhalten besser zu verstehen. Denn als erwachsener Mensch im Berufsleben verfügen Sie über wesentlich mehr Handlungsmöglichkeiten: Sie können nachfragen, argumentieren, Grenzen setzen, Kritik prüfen, Ihre Position erklären oder auch einmal gelassen feststellen: „Da bin ich anderer Meinung.“

Bild: Bei einem unserer Trainings spielt eine Teilnehmerin Feueralarm.
Foto: TELOS
Jeder Zug hat eine Notbremse – und auch wir Menschen können automatische Reaktionen unterbrechen. Die innere Alarmanlage ist eine solche Sicherheitsbremse. Sie hilft uns zu erkennen: Achtung, gerade übernimmt ein altes Muster das Steuer. In der Situation selbst ist es allerdings oft schwierig, spontan anders zu reagieren als gewohnt. Deshalb lohnt es sich, wiederkehrende berufliche Problemsituationen bereits vorher zu analysieren und neue Reaktionsmöglichkeiten vorzubereiten:
Schritt 1: Suchen Sie eine berufliche Situation, die Ihnen immer wieder passiert und über die Sie sich hinterher ärgern. Vielleicht lassen Sie sich in Meetings zu schnell unterbrechen, reagieren empfindlich auf Kritik oder sagen Ja, obwohl Sie Nein sagen möchten. Beschreiben Sie die Situation möglichst genau.
Schritt 2: Finden Sie Ihre persönliche Alarmleuchte. Was sind die ersten Anzeichen dafür, dass das bekannte Muster wieder beginnt? Ein bestimmter Gedanke? Ärger? Unsicherheit? Herzklopfen? Der Impuls, sich sofort zu rechtfertigen?
Schritt 3: Entwickeln Sie eine neue Reaktion. Was möchten Sie beim nächsten Mal stattdessen tun? Ruhig nachfragen? Einen Moment warten? Ihre Position sachlich vertreten? Eine Grenze setzen? Aus der Distanz lässt sich ein neues Verhaltensrepertoire wesentlich leichter entwickeln.

Bild: eine Seminarteilnehmerin überlegt in Ruhe, was sie sich dazu notieren will.
Foto: TELOS
Niemand muss in beruflicher Unsicherheit oder ungünstigen Verhaltensmustern stecken bleiben. Selbstsicherheit und souveränes Handeln lassen sich entwickeln und trainieren. Ob im Umgang mit Vorgesetzten, in schwierigen Gesprächen, bei Konflikten, in Meetings oder unter hohem Leistungsdruck: Wer die eigenen automatischen Reaktionen besser kennt, gewinnt Handlungsspielraum. Unser heutiger Tipp „Die innere Alarmanlage“ ist ein Weg dorthin. Weitere Übungen und Impulse können helfen, innere Ruhe, Selbstsicherheit und einen konstruktiven Umgang mit belastenden Situationen aufzubauen.
Besonders wirksam ist professionelles Training und Coaching. Führungskräfte und Mitarbeitende können dabei typische Situationen aus ihrem Berufsalltag analysieren, eingefahrene Reaktionsmuster erkennen und neue Verhaltensweisen gezielt ausprobieren. Direktes Feedback hilft, die eigene Wirkung besser einzuschätzen und neue Strategien Schritt für Schritt zu festigen. So entsteht Souveränität dort, wo sie im Berufsleben besonders wichtig ist: bei schwierigen Gesprächen, in Konflikten, unter Druck, im Umgang mit Kritik und immer dann, wenn es darauf ankommt, ruhig, klar und handlungsfähig zu bleiben.


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Mag. Magdalena Gasser
Institutsleitung | Personalentwicklung | Coaching