
Ruhig bleiben, Position beziehen und auf Augenhöhe kommunizieren
Wer Verantwortung übernimmt, darf auch widersprechen.
Im Kollegenkreis argumentieren Sie messerscharf. Beim Kunden sind Sie souverän. Doch sobald die Chefin kritisch nachfragt, schrumpft das Selbstbewusstsein auf Westentaschenformat. Autorität kann erstaunliche Wirkung entfalten: Wir rechtfertigen uns, stimmen vorschnell zu oder sagen lieber gar nichts. Dabei brauchen Unternehmen Mitarbeitende und Führungskräfte, die auch nach oben klar, respektvoll und selbstbewusst kommunizieren, nämlich selbstsicher gegenüber Vorgesetzten!
Hierarchie erfüllt wichtige Funktionen. Sie klärt Verantwortung und Entscheidungsbefugnisse. Gleichzeitig kann ein hierarchisches Gefälle psychologisch Druck erzeugen. Schließlich können Vorgesetzte Leistungen beurteilen, Aufgaben verteilen, Entwicklungsmöglichkeiten beeinflussen und Entscheidungen treffen, die uns unmittelbar betreffen.
Ein gewisses Maß an Anspannung vor einem wichtigen Chefgespräch ist deshalb völlig nachvollziehbar. Problematisch wird es, wenn wir die tatsächliche Situation innerlich größer machen, als sie ist. Dann wird aus „Mein Chef könnte meinen Vorschlag ablehnen“ schnell „Ich darf auf keinen Fall widersprechen“. Aus einer kritischen Rückmeldung wird im Kopf ein persönliches Versagen.
Gerade qualifizierte Mitarbeitende und Führungskräfte verschenken dadurch Wirkung. Sie haben Fachwissen und gute Argumente – bringen beides aber nicht ausreichend ein.
Selbstsicherheit gegenüber Vorgesetzten bedeutet dabei weder Aufmüpfigkeit noch Dauerwiderspruch. Es geht darum, die eigene Position sachlich vertreten zu können, auch wenn am anderen Ende des Tisches mehr Hierarchie sitzt.
Die gute Nachricht: Selbstsicherheit gegenüber Vorgesetzten lässt sich trainieren. Entscheidend ist, die eigenen Reaktionsmuster zu erkennen und neue Verhaltensmöglichkeiten praktisch auszuprobieren. Sie müssen dafür weder zum Rebellen werden noch morgens vor dem Spiegel „Ich bin der Größte!“ rufen. Fünf kleine Veränderungen können bereits erstaunlich viel bewirken.

Souverän im Leben, selbstsicher gegenüber Vorgesetzten!
Schnappschuss aus einem unserer Trainings
Foto: TELOS
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Ihre Führungskraft besitzt eine andere Funktion und möglicherweise mehr Entscheidungsbefugnis. Daraus folgt nicht, dass ihre Meinung automatisch richtiger ist oder Ihre eigene weniger zählt. Wer Hierarchie mit persönlicher Überlegenheit verwechselt, macht sich selbst unnötig klein. Positive Praxisbeispiele:
– Eine andere fachliche Einschätzung ruhig aussprechen.
– Bei einer unklaren Entscheidung nachfragen.
– Einen Fehler offen ansprechen, statt ihn zu verstecken.
– Einen unrealistischen Termin sachlich hinterfragen.
– Im Gespräch bewusst Blickkontakt halten.
„Ich habe Angst vor dem Chef“ ist so groß und unhandlich wie ein Schrank. Fragen Sie genauer: Wovor eigentlich? Vor Kritik? Ablehnung? Einer schlechten Beurteilung? Davor, nicht kompetent genug zu wirken? Sobald Sie die Befürchtung konkretisieren, können Sie prüfen, wie realistisch sie ist und was Sie tun können. Positive Praxisbeispiele:
– „Ich befürchte, dass mein Vorschlag abgelehnt wird.“
– „Ich möchte nicht unvorbereitet auf kritische Fragen reagieren.“
– „Ich habe Sorge, dass mein Nein negativ bewertet wird.“
– „Ich möchte einen Fehler ansprechen, ohne mich kleinzumachen.“
– „Ich will meine Gehaltsvorstellung klar vertreten.“
Unter Druck beginnen Menschen gerne zu schwimmen – leider nicht elegant im Pool, sondern verbal. Bereiten Sie deshalb vor wichtigen Gesprächen den Satz vor, den Sie auf jeden Fall sagen möchten. Was ist Ihre Position? Was brauchen Sie? Was empfehlen Sie? Klarheit im Kopf sorgt für Klarheit im Gespräch. Positive Praxisbeispiele:
– „Aus fachlicher Sicht empfehle ich Variante B.“
– „Bis Freitag können wir liefern, Dienstag halte ich nicht für realistisch.“
– „Bei diesem Punkt bin ich anderer Meinung.“
– „Für diese zusätzliche Aufgabe brauche ich eine andere Priorisierung.“
– „Ich möchte meine Sicht dazu kurz erläutern.“
Eine kritische Aussage des Vorgesetzten ist noch kein Urteil des Jüngsten Gerichts. Statt sofort zuzustimmen oder sich zu verteidigen, fragen Sie nach. Gute Fragen bringen Sachlichkeit in das Gespräch, verschaffen Denkzeit und zeigen, dass Sie sich ernsthaft mit dem Thema auseinandersetzen. Positive Praxisbeispiele:
– „Was genau möchten Sie verändert haben?“
– „Welcher Punkt ist Ihnen dabei besonders wichtig?“
– „Woran würden Sie erkennen, dass das Ergebnis passt?“
– „Welche Priorität soll ich dafür zurückstellen?“
– „Können Sie mir ein konkretes Beispiel nennen?“
Wer Verantwortung übernimmt, muss manchmal widersprechen. Gerade Führungskräfte auf mittleren Ebenen stehen häufig zwischen Geschäftsleitung und eigenem Team. Blindes Ja-Sagen hilft niemandem. Ein guter Widerspruch bleibt sachlich, begründet die eigene Position und bietet möglichst eine Alternative an. Positive Praxisbeispiele:
– „Ich verstehe das Ziel, sehe beim vorgeschlagenen Weg aber ein Risiko.“
– „Meine Einschätzung fällt an diesem Punkt anders aus.“
– „Das kann ich so nicht zusagen. Ich kann Ihnen folgende Alternative anbieten.“
– „Aus Kundensicht würde ich eine andere Lösung empfehlen.“
– „Bevor wir entscheiden, sollten wir diesen Punkt noch prüfen.“

Nicht hochnäsig, aber selbstsicher!
Schnappschuss aus einem unserer Trainings
Foto: TELOS
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Ein hilfreicher Ansatz aus unseren Übungen lautet „Kennen – Nennen – Trennen“. Er eignet sich besonders, wenn Sie merken, dass Ihre Reaktion stärker ausfällt, als die konkrete berufliche Situation eigentlich rechtfertigt.
Kennen: Nehmen Sie zunächst wahr, was passiert. Herzklopfen? Nervosität? Rechtfertigungsdrang? Rückzug? Beobachten Sie Ihre Reaktion möglichst nüchtern.
Nennen: Formulieren Sie anschließend präzise, was Sie befürchten. Nicht „Mein Chef macht mir Angst“, sondern beispielsweise: „Ich fürchte, dass meine Kritik negativ aufgenommen wird.“
Trennen: Prüfen Sie jetzt Realität und Befürchtung getrennt. Was wissen Sie tatsächlich? Was vermuten Sie lediglich? Welche Handlungsmöglichkeiten haben Sie? Allein diese Unterscheidung kann helfen, aus einem diffusen Gefühl wieder ein lösbares berufliches Problem zu machen.
Unser Lehrsatz dazu lautet: „Die größte Angst ist die Angst vor dem Unbekannten. Wenn ich konkret benenne, WAS ich befürchte, ist diese Angst nicht mehr unbekannt.“
Das psychologische Prinzip dahinter ist einfach: Diffuse Befürchtungen werden durch Konkretisierung greifbarer. Statt einem allgemeinen Unbehagen gegenüberzustehen, können wir eine konkrete Annahme überprüfen und geeignete Handlungsmöglichkeiten entwickeln.
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Warum verhalten sich Menschen gegenüber Vorgesetzten manchmal völlig anders als unter Kollegen? Hierarchie aktiviert Erwartungen: Wir wollen kompetent wirken, keine Fehler machen und Anerkennung erhalten. Je wichtiger uns die Bewertung erscheint, desto leichter rutschen wir in alte Automatismen. Drei davon sind besonders tückisch – weil sie kurzfristig Sicherheit versprechen und langfristig unsere Souveränität schwächen.
Der Chef fragt: „Das schaffen Sie doch bis morgen?“ Und bevor das Gehirn die Arbeitsbelastung geprüft hat, sagt der Mund bereits: „Natürlich!“ Später folgen Überstunden, Ärger und womöglich schlechte Qualität. Typisch ist das bei Terminen, Zusatzaufgaben, Ressourcenfragen und Entscheidungen.
Besser: Prüfen Sie erst, dann antworten Sie. „Ich schaue kurz auf die Prioritäten und gebe Ihnen in zehn Minuten eine verlässliche Antwort“ ist professioneller als ein Ja, das Sie nicht halten können.
Kritik kommt – und schon startet der innere Verteidiger: „Ja, aber ich konnte nicht, weil …“ Lange Rechtfertigungen wirken häufig unsicher und verhindern, dass wir zunächst verstehen, worum es tatsächlich geht.
Besser: Zuhören, konkretisieren, prüfen. Ist die Kritik berechtigt, übernehmen Sie Verantwortung und nennen Sie den nächsten Schritt. Ist sie unberechtigt, widersprechen Sie sachlich. Beides wirkt souveräner als ein zehnminütiger Vortrag über widrige Umstände.
Sie erkennen ein Risiko, halten einen Termin für unrealistisch oder wissen, dass ein Kunde anders reagieren wird – sagen aber nichts. Schließlich hat die Chefin entschieden. Bequem? Kurzfristig vielleicht. Verantwortungsbewusst? Eher nicht.
Besser: Bringen Sie Ihre fachliche Einschätzung rechtzeitig ein. Klar, respektvoll und mit Argumenten. Die endgültige Entscheidung kann weiterhin bei Ihrer Führungskraft liegen. Ihre Aufgabe ist es jedoch, relevante Informationen nicht aus Angst unter dem Konferenztisch zu verstecken.
Souveränität gegenüber Vorgesetzten beginnt mit einer nüchternen Erkenntnis: Eine Hierarchie beschreibt Funktionen und Verantwortlichkeiten. Sie definiert nicht den persönlichen Wert der Beteiligten. Ihr Chef darf entscheiden, bewerten und Prioritäten setzen. Sie dürfen fragen, argumentieren, Grenzen benennen und fachlich widersprechen. Genau diese Fähigkeit ist für Unternehmen wertvoll. Führungskräfte brauchen Mitarbeitende, die relevante Informationen offen ansprechen. Unternehmer brauchen Führungskräfte, die Risiken benennen, bevor sie teuer werden. Teams brauchen Menschen, die Probleme nicht verschweigen, nur weil die schlechte Nachricht nach oben muss.
Dazu gehört auch ein realistischer Blick auf Macht. Nicht jede Sorge gegenüber einem Vorgesetzten ist irrational. Es gibt schwierige Führungskräfte, reale Interessenkonflikte und Situationen, in denen berufliche Konsequenzen möglich sind. Souveränität bedeutet dann, die Lage sachlich einzuschätzen: Was ist Fakt? Was ist Befürchtung? Welche Möglichkeiten habe ich? Welche Unterstützung brauche ich?
Wer diese Fragen beantwortet, gewinnt Handlungsspielraum. Aus „Ich kann dem Chef unmöglich widersprechen“ wird vielleicht: „Ich werde meine Bedenken mit zwei Fakten begründen und eine Alternative vorschlagen.“ Aus einem diffusen Gefühl entsteht ein konkreter Plan. Und plötzlich ist der Chef wieder ungefähr so groß wie vorher.

Bild: Was hier übermächtig vor uns zu stehen scheint, ist bloß ein kleines, harmloses Männchen. Erst unsere Angst hat es aufgeblasen.
Grafik: TELOS
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Selbstsicher mit Vorgesetzten zu kommunizieren lässt sich lernen. Besonders hilfreich sind Trainings und Coachings, in denen reale Situationen ausprobiert werden: Kritik ansprechen, Nein sagen, einen Fehler eingestehen, einen unrealistischen Auftrag zurückweisen oder eine abweichende fachliche Position vertreten.
TELOS begleitet Führungskräfte, Unternehmer und Mitarbeitende seit über 30 Jahren bei solchen Herausforderungen. Mit aktuellen psychologischen Methoden, maßgeschneiderten Weiterbildungsmaßnahmen und präziser Lernerfolgskontrolle arbeiten wir an den konkreten Anforderungen des jeweiligen Unternehmens. Kunden erleben beispielsweise klarere Chefgespräche, weniger vorschnelle Zusagen, konstruktiveren Widerspruch und mehr Sicherheit beim Vertreten der eigenen Position. Denn gute Zusammenarbeit braucht keine Angst vor Hierarchie – sie braucht Klarheit, Respekt und Rückgrat.


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Mag. Magdalena Gasser
Institutsleitung | Personalentwicklung | Coaching